Media for Peace #11 Was braucht Journalismus in Krisengebieten? (Livefolge)

Shownotes

Journalismus in Krisengebieten kann zur Befriedung oder Eskalation beitragen. Doch wie kann Journalismus seriös und dennoch deeskalierend wirken? Auf welche Aspekte kommt es an? Mit diesen Fragen starten wir nach der Pause in die 2. Staffel mit einer Live-Folge.

Das war das b future festival: https://www.b-future.org/

Weitere Informationen zu Media for Peace findest du auf https://www.media-lab.de/de/media-for-peace

Das ist Media for Peace. Der Podcast auf den Spuren des peace-oriented Journalismus. Eine Kooperation mit der Universität der Bundeswehr München und von DTEC.BW – Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr.

Transkript anzeigen

00:00:00: * Musik *

00:00:02: Journalismus der Frieden ermöglicht.

00:00:05: Das ist "Media for Peace", ein Podcast des Media Lab Bayern.

00:00:12: * Applaus *

00:00:14: Herzlich willkommen zum ersten Podcast-Panel des B-Future-Festivals.

00:00:20: Ich bin Mirella und ich bin heute hier Ihre Stagehost.

00:00:24: Ich freue mich sehr, Sie alle heute hier im Namen des Bonn-Instituts

00:00:28: in dieser historischen Kulisse, also im Sternlichtspiel "Kinosaal 2",

00:00:32: begrüßen zu dürfen.

00:00:34: Das ist das erste Mal, dass das B-Future-Festival für Journalismus

00:00:38: und konstruktiven Dialog überhaupt stattfindet.

00:00:40: Gedacht ist es als eine Art Begegnungsstätte

00:00:43: zwischen "Thinktanks", "Panels" und "Kamingespräch".

00:00:46: Es ist nicht nur für Journalist*innen das Faches gedacht,

00:00:49: sondern auch für alle, die sich für Journalismus interessieren

00:00:53: und mal hinter die Kulissen schauen wollen

00:00:55: oder vielleicht auch mal selbst ausprobieren wollen.

00:00:58: Einige super coole Mitmachaktionen,

00:00:59: also auf jeden Fall mal später ein bisschen rumlaufen.

00:01:02: Da sind super schöne Sachen geplant.

00:01:05: Hier im Sternlicht-Kinosaal 2

00:01:08: widmen wir uns einen ganz besonderen Nachrichtenmedium,

00:01:11: welcher besonders in den letzten Jahren

00:01:13: an Beliebtheit dazu gewonnen hat, der Podcast.

00:01:15: Ich glaube, es gibt kaum ein anderes Medien- bzw. Informationsmedium,

00:01:19: das so leicht zugänglich ist wie Podcast,

00:01:22: was sich auch in unzähligen Formaten, die es heute so gibt,

00:01:25: widerspiegelt.

00:01:26: Zu Gast haben wir heute die Host Sabrina Harper in der Mitte,

00:01:31: das "Media for Peace"-Podcast

00:01:33: des gleichnamigen Programms des "Media Lab Bayerns".

00:01:36: Das Programm beschäftigt sich mit der Frage,

00:01:40: inwiefern Medien zu mehr Frieden und mehr Zusammenhalt

00:01:42: in der Gesellschaft beitragen können.

00:01:45: Dafür evaluiert und konstruiert das "Media Lab Bayern"

00:01:48: mit einem interkulturellen Team seit Mai 2022

00:01:51: ein Produkt für die journalistische Arbeit

00:01:53: in den Konfliktzonen Afghanistan

00:01:56: und den Libanon.

00:01:57: Der Podcast begleitet diesen spannenden Prozess.

00:02:00: Auf der Bühne begrüße ich Marta Raspowicz,

00:02:05: der Projektverantwortliche von "Media for Peace",

00:02:07: Sabrina Harper, Journalistin und Hostin des "Media for Peace"-Podcasts,

00:02:12: sowie Linda Henke von der Universität der Bundeswehr München.

00:02:17: Ich freue mich sehr, dass Sie alle heute den weiten Weg aus Bayern

00:02:20: zum Festival gekommen sind.

00:02:22: Die drei Behandeln in dieser Podcastfolge,

00:02:25: die wichtige Frage, was braucht Journalismus in Krisengebieten?

00:02:28: Ich bin sicher, das wird eine sehr spannende Runde.

00:02:31: Jetzt Bühne für euch. - Vielen Dank.

00:02:34: (Applaus)

00:02:36: Auch noch mal von mir herzlich willkommen

00:02:40: hier bei der Live-Podcast-Aufnahme auf dem B-Future-Festival.

00:02:44: Es ist für uns die Premiere.

00:02:45: Wir haben das noch nie vor Live-Publikum gemacht.

00:02:48: Deswegen bin ich ein bisschen nervöser als sonst.

00:02:51: Ich sag auch schon mal Entschuldigung,

00:02:53: dass es nicht so tief geht, aber ich glaube, wir kommen gut durch.

00:02:56: Wir sind kompetent.

00:02:57: Ihr seht so aus, als wenn euch das Thema interessiert

00:03:00: und als wenn ihr mitmachen wollt.

00:03:02: Von daher bin ich guter Dinge.

00:03:04: Wen habe ich dabei, wurde ja gerade schon mal ein bisschen gesagt.

00:03:08: Nur die Namen sind so lang, wo wir herkommen.

00:03:10: Deswegen noch mal, das ist die Linda Henke,

00:03:12: von der Universität der Bundeswehr in München.

00:03:15: Sie kommt aus der Wissenschaft und forscht zu Journalismus.

00:03:18: Und zum anderen, Martin Raspovic.

00:03:20: Er ist Projektleiter von "Media for Peace".

00:03:23: Wir haben gleich noch ein bisschen.

00:03:24: Und ich bin Sabrina Harper, die Host.

00:03:27: Ich freue mich, dass ihr alle da seid.

00:03:29: Mate, dass du da bist. Linda, dass du da bist.

00:03:31: Erst einmal vielleicht einen kleinen Applaus für euch,

00:03:34: dass ihr euch mit mir hierherstellt.

00:03:36: (Applaus)

00:03:37: Das B-Future-Festival läuft ja schon seit gestern.

00:03:42: Wir beschäftigen uns mit deeskalierendem Journalismus

00:03:46: in Krisengebieten.

00:03:47: Das klingt ja erst mal weit weg.

00:03:49: Aber wir sind auch tagtäglich damit konfrontiert.

00:03:52: Wir sind in einem anderen Raum, wo wir uns alle an die Ukraine.

00:03:55: Es gibt aber auch andere Krisenregionen.

00:03:58: Zum Beispiel Afghanistan oder den Libanon.

00:04:01: Um zu verstehen, was dort abgeht, habe ich zum einen die Linda mitgebracht.

00:04:06: Weil die uns gleich erklären wird, wie das Mediensystem im Libanon aussieht

00:04:11: und warum das eine besondere Herausforderung ist.

00:04:14: Und weil Wissenschaft immer schön ist,

00:04:16: und wenn es in der Praxis funktioniert, noch besser ist eben der Mate mit dabei.

00:04:21: Und damit würde ich einsteigen in diesem Podcast.

00:04:25: Linda, erklär uns doch mal bitte,

00:04:28: warum das so besonders ist im Libanon und Afghanistan.

00:04:31: Mit dem Mediensystem um den ganzen Drum herum.

00:04:34: Sehr gerne.

00:04:35: Ich freue mich auch, dass ich heute hier bin.

00:04:38: Für die Gründe,

00:04:39: warum das so besonders ist, Journalismus in Krisenregionen zu betreiben,

00:04:45: das ist eine sehr lange Liste.

00:04:46: Ich würde erst mal anfangen bei generellen Herausforderungen,

00:04:50: die wahrscheinlich euch und ihnen auch direkt in den Kopf kommen.

00:04:54: Und das spreche ich von der Sicherheit für Journalistinnen vor Ort.

00:04:57: Wir sprechen da wirklich von massiven Krisenregionen,

00:05:00: wo aktueller Krieg herrscht oder auch von Postkonfliktregionen,

00:05:04: die wir untersuchen.

00:05:05: Das heißt, physische Sicherheit steht an erster Stelle.

00:05:08: Journalistinnen, die gekippnet werden, helfen uns überhaupt nicht.

00:05:12: Und das hilft weder der Berichterstattung noch die Menschen,

00:05:15: die gerne Informationen konsumieren wollen,

00:05:18: die Schwierigkeiten im Nachhinein helfen auch niemandem.

00:05:21: Und sind natürlich auch niemandem gewünscht.

00:05:23: Diese Situation verbessert sich sicher mit der Zeit.

00:05:26: Wir sehen auch, dass Mental Health zunehmend Thema wird,

00:05:29: dass Journalistinnen begleitet werden,

00:05:31: sowohl vor Ort als auch zurück in ihrem Heimatland.

00:05:33: Dennoch ist es so, dass die Herausforderungen dort immer noch zu groß sind.

00:05:37: Und zwar so groß, dass zum Teil einfach Journalismus

00:05:40: gar nicht so betrieben werden kann, wie er eigentlich betrieben werden sollte

00:05:43: oder wie das wünschenswert wäre.

00:05:45: Auch große Herausforderungen bei lokaler und kultureller Sensibilität.

00:05:50: Das heißt, wir kennen ja hier vor Ort immer viel Narrative darüber,

00:05:54: was eigentlich in Kriegs- und Konfliktregionen passiert.

00:05:57: Es gehört aber so viel mehr dazu tatsächlich zu verstehen,

00:06:00: wo der Konflikt vor Ort liegt, wie vielfältig die Mediensysteme

00:06:03: oder vielleicht auch kulturellen Hintergründe vor Ort sind.

00:06:06: Wenn ich den lieber als Beispiel nehme,

00:06:08: der eine unheimlich hohe Vielfalt an religiösen Gruppierungen hat,

00:06:12: wo es auch ganz schwierig ist, nachzuvollziehen,

00:06:14: wo überhaupt die Wurzeln des Konfliktes liegen,

00:06:17: dann ist eine besondere Herausforderung,

00:06:19: diesen Narrativen nicht zu sehr zu unterliegen,

00:06:21: sondern auch zu verstehen, was vor Ort eigentlich passiert

00:06:23: und was die Interessen eigentlich sind.

00:06:26: Dann hört oder liest man eben oft, dass religiöse Gruppierungen sich streiten,

00:06:30: was zum Teil aber so gar nicht stimmt,

00:06:32: bzw. was so viel komplexer wäre, zu verstehen.

00:06:34: Das heißt, es ist eine riesige Herausforderung eigentlich zu transportieren,

00:06:37: wo der Konflikt vor Ort liegt und was es für die Menschen vor Ort bedeutet.

00:06:41: Und dann vielleicht das letzten Punkt, bevor ich mir den Mund fuzzelig rede,

00:06:44: würde ich einmal auch auf die Potenziale und das auch als ganz bestimmte Anforderung

00:06:49: an den Journalismus vor Ort eingehen.

00:06:51: Denn nicht nur haben wir durch die Digitalisierung,

00:06:53: sondern auch durch ganz veraktivismus vor Ort,

00:06:56: viel, viel mehr Chancen, Journalismus vielfältig zu gestalten.

00:07:00: Und da sehen wir jetzt natürlich Social Media und alle möglichen Optionen,

00:07:04: die wir haben. Da geht es aber auch darum,

00:07:06: an bestehende Lösungen anzudocken und dem Blick so ein bisschen in die Zukunft zu benden.

00:07:09: Und Social Media wird auch nicht für immer der letzte Schrei sein,

00:07:12: oder ist es vielleicht auch heute gar nicht mehr.

00:07:14: Aber es hat sich immer mal was verändert.

00:07:16: Fernsehen war auch mal das Allergöste und das Allerneuste.

00:07:19: Und das heißt, es geht einfach darum, zu schauen, was funktioniert gut,

00:07:22: wie können Informationen von solchen Regionen transportiert werden

00:07:25: in andere Länder und wo kann man eventuell auch andocken?

00:07:27: Ich glaube, das wären so die ersten Anforderungen,

00:07:30: die ich starten würde.

00:07:31: Ich würde euch gerne noch ein paar Bilder in den Kopf geben.

00:07:35: Wir drei sind auch in den Libanon gereist

00:07:37: und haben uns das da vor Ort angeschaut.

00:07:40: Und das ist wirklich, wirklich ganz anders da.

00:07:43: Also das muss man sich vorstellen, es gibt traditionelle Medien,

00:07:45: das ist wie die großen Medienhäuser hier.

00:07:47: Und dann gibt es wie eine Grassroots-Bewegung von alternativen Medien.

00:07:53: Werden die bezeichnet.

00:07:55: Mir hat ein Journalist dort vor Ort gesagt,

00:07:57: er findet aber den Begriff eigentlich nicht gut,

00:07:59: weil alternativ steht ja für nochmal etwas anderes

00:08:04: und eigentlich machen sie auch Medien.

00:08:05: Und die haben da große Probleme, zum Beispiel mit der Verifizierung von Bildern,

00:08:09: mit der Beschaffung von Informationen.

00:08:11: Sich da auch durchzusetzen, durch das, was Linda gerade gesagt hat,

00:08:15: dieser religiöse Aspekt spielt eine ganz, ganz große Rolle

00:08:19: und stellt euch vor, ihr habt irgendwie zehn verschiedene religiöse Ausrichtungen

00:08:24: und jede davon betreibt ein TV-Sender

00:08:26: und jede davon berichtet über das gleiche Thema

00:08:29: aus ihrer religiösen Brille.

00:08:31: So ungefähr müsst ihr euch das vorstellen.

00:08:33: Und deswegen kann man so schwer differenzieren,

00:08:35: wer hat denn jetzt mit wem streit oder nicht oder ja oder nein.

00:08:39: Oder was ist überhaupt gerade der Stand?

00:08:41: Vielleicht könnt ihr euch das so noch mal ein bisschen bildlich vorstellen.

00:08:45: Marte, du bist ja aber eigentlich unser Praxist-Typ.

00:08:48: Du leitest das Projekt Media for Peace.

00:08:50: Vielleicht damit alle Bescheid wissen, ganz kurz, was macht Media for Peace?

00:08:55: Danke, es ist Abdina.

00:08:57: Das Media for Peace ist ein Steepernium-Programm.

00:08:59: Also wir helfen zusammen mit der Universität der Bundeswehr München,

00:09:03: ein Team von fünf Journalistinnen, Programmitadinnen,

00:09:08: Designerinnen, aber auch Menschen aus dem International Development dabei,

00:09:11: eine neue journalistische Plattform zu entwickeln.

00:09:14: Also wir unterstützen sie mit Netzwerks, Coachings,

00:09:17: unserem Wissen im Feld, im Innovationsfeld,

00:09:19: aber natürlich auch mit den finanziellen Ressourcen,

00:09:22: um sich den wichtigen Fragen Journalismus anzunähern

00:09:25: und eventuell Antworten zu finden.

00:09:28: Und was wir versuchen oder die Frage, die wir beantworten möchten,

00:09:33: im Media for Peace ist, wie sieht denn eigentlich Journalismus aus,

00:09:37: digitaler Journalismus, der Frieden fördert

00:09:41: und deeskaliert anstelle von Konflikten weiter anzuheizen.

00:09:44: Wir haben das gemacht in den letzten 12 Monaten, seit Oktober 2022.

00:09:49: Wir sind zunächst in eine sehr intensive Feldforschung gegangen.

00:09:52: Das bedeutet, wir haben Interviews geführt mit Journalistinnen,

00:09:56: der Zielgruppen vor Ort in Afghanistan und Libanon.

00:09:59: Wir haben Experimente gemacht, kleine Prototypen entwickelt,

00:10:02: die dann noch wieder vertestet,

00:10:04: zusammen mit der Forschung von der Universität der Bundeswehr,

00:10:07: die parallel auf Twitter-Analysen geschaut hat, sich überlegt hat,

00:10:11: wie entstehen denn Netzwerke im Social Media

00:10:14: und wie verbreiten sich Inhalte, aber auch, sich angeschaut hat,

00:10:17: was sind denn eigentlich für alternative Medienangebote

00:10:20: oder unabhängige Medienangebote in Krisenkonfliktgebieten gerade?

00:10:24: Und wie kann man diese unterstützen?

00:10:27: Da haben wir ganz viel gelernt,

00:10:28: was uns dann dazu motiviert hat, ein eigenes Produkt zu entwickeln.

00:10:33: Möchtest du mehr davon erfahren?

00:10:36: Das Produkt heißt "What if".

00:10:38: Dazu kann man auch später im Panel mehr erfahren.

00:10:42: 13.30 Uhr haben wir das noch dazu.

00:10:45: Mir geht es aber eher darum, die Aspekte rauszuarbeiten,

00:10:48: was wir brauchen für diesen deeskalierende Journalismus.

00:10:51: Linda hatte schon einiges aufgezählt, woran es hakt.

00:10:54: Marte, inwiefern kommen jetzt Linda's Erkenntnisse aus der Wissenschaft

00:10:59: in deine Praxisarbeit mit rein?

00:11:01: Die Feldforschung, die wir gemacht haben

00:11:04: und die Wissenschaft, die sie mit reingespielt hat,

00:11:06: hat ganz viele Lernergebnisse erbracht.

00:11:09: Eines unserer wichtigsten Erkenntnisse,

00:11:11: auf das wir uns auch gestürzt haben,

00:11:14: ist, dass es schon engagierte, funktionierende,

00:11:17: unabhängige Medienpublikationen vor Ort gibt,

00:11:20: die konstruktiven Journalismus betreiben.

00:11:23: Das Problem, das wir erkannt haben,

00:11:25: ist, dass die breitere Bevölkerung aber häufig

00:11:27: gar nicht so viel davon erfährt.

00:11:29: Solutions Journalism, der sich mit Konfliktlösungen beschäftigt,

00:11:33: kommt gar nicht bei der Bevölkerung an.

00:11:35: Wir haben uns deshalb im November 2022

00:11:38: vor allem auch Dialogformate angeschaut.

00:11:40: Es gibt bereits Dialogformate, die Menschen zusammenbringen,

00:11:44: um über diese Themen zu sprechen.

00:11:46: Wir haben weit untersucht, was haben diese Dialogformate

00:11:49: für Herausforderungen in diesen Konflikt- und Krisengebieten?

00:11:53: Dabei sind wir auf drei große Herausforderungen gestoßen.

00:11:56: Linda hat das schon erwähnt.

00:11:58: Die erste Herausforderung ist Sicherheit,

00:12:01: die in den Dialogformaten zusammensprechen,

00:12:03: aber auch die Netzwerken drumherum.

00:12:05: Wir haben eine große Herausforderung erkannt

00:12:08: auf Seiten der Journalistinnen und Journalisten,

00:12:10: die enormen Schwierigkeiten haben,

00:12:12: diese Dialogformate über operativ umzusetzen,

00:12:15: sprich die Community zu managen davor,

00:12:18: das Dialogformat zu organisieren, technisch aufzusetzen.

00:12:22: Letztlich sind Journalistinnen und Journalisten

00:12:24: häufiger gar nicht ausgebildet,

00:12:26: so komplizierte Dialogsettings zu moderieren.

00:12:29: Wir reden hier davon, dass wir Parteiengruppen

00:12:32: aus einer Gesellschaft zusammenbringen,

00:12:34: die im Konflikt miteinander stehen.

00:12:36: Das sind die zwei größten Herausforderungen,

00:12:38: wenn ich das zusammenfasse.

00:12:40: Ich greife jetzt vorweg, was herausgekommen ist

00:12:43: innerhalb dieser Formatfrage.

00:12:46: Ist etwas, das nennt sich Design Fiction,

00:12:49: hat vielleicht der eine oder andere schon gehört,

00:12:52: es geht darum, fiktive Zukunft zu bauen.

00:12:54: So würde ich es beschreiben.

00:12:57: Du hast es aber besser als ich.

00:12:59: Wie seid ihr auf dieses Design Fiction gekommen?

00:13:02: Und wieso soll ich denn etwas erfinden,

00:13:04: um eine Wirklichkeit zu beeinflussen?

00:13:07: Ich hol noch mal ein wenig aus.

00:13:09: Ich schau auf die Zeit.

00:13:11: Wir haben uns entschlossen, es braucht ein Dialogformat,

00:13:14: das mit diesen besonderen Herausforderungen

00:13:16: in Konflikt- und Krisengebieten umgehen kann.

00:13:18: Wie bringst du Menschen zueinander, die in Konflikt miteinander stehen

00:13:21: und lässt sie konstruktiv in einen Dialog führen?

00:13:24: Wir haben uns verschiedene Möglichkeiten angeschaut,

00:13:26: die Moderation, die Dialogführung.

00:13:28: Wir haben uns mit Toten angesehen.

00:13:31: Wie kann man eigentlich deeskalierend im Gespräch

00:13:33: Menschen dazu bewegen, ihre Positionen aufzugeben

00:13:35: und stärker in gemeinsamen Interessen zu denken?

00:13:38: Und ein wichtiges Wort hier ist Zukunft und die Orientierung

00:13:43: an der Zukunft.

00:13:46: Wir haben erkannt, dass der Fokus auf die Zukunft dabei hilft,

00:13:50: dass Menschen im Dialog die Beschuldigungen

00:13:53: und die Fehler der Vergangenheit auch liegen lassen

00:13:56: um sich eventuell gemeinsam Positionen anzunähern.

00:14:00: Jetzt ist es aber so, wenn wir über Zukunft und Frieden sprechen,

00:14:03: das sind ja so große abstrakte Konzepte.

00:14:05: Und häufig, wenn wir über Zukunft und Frieden sprechen,

00:14:09: bleiben die Gespräche auf einer flachen Ebene.

00:14:12: Es ist inhaltlich fehlsoft.

00:14:14: Die Bedeutung der Worte lässt schnell nach.

00:14:16: Jetzt brauchen wir aber nicht nur gute Dialoge,

00:14:18: sondern eben auch Entscheidungen.

00:14:20: Wenn Menschen zusammenkommen, über Lösungsansätze sprechen,

00:14:23: muss am Ende idealerweise von Experten und Experten

00:14:25: und Entscheidungsträgerinnen und -strägern

00:14:27: eine Entscheidung folgen auf verschiedenen Ebenen,

00:14:31: um bestimmte Punkte umzusetzen und Konfliktlösungen umzusetzen.

00:14:35: Wir haben uns also gefragt,

00:14:37: wie können wir diese abstrakten, großen Konzepte greifbarer machen?

00:14:41: Und es gibt aktuell einen neuen Ansatz,

00:14:43: der nennt sich Design Fiction.

00:14:45: Was ist Design Fiction?

00:14:47: Design Fiction ist, wir bringen Menschen zusammen,

00:14:49: sie denken über die Zukunft nach,

00:14:52: wir denken in verschiedenen Szenarien,

00:14:54: überlegen uns, was sind denn eigentlich unsere Lösungen,

00:14:56: die Lösungswege für die Probleme, die wir haben?

00:14:58: Und Design Fiction geht dann noch ein Stück weiter.

00:15:01: Und jetzt wird so ein bisschen kompliziert.

00:15:04: Prototypisiert Gegenstände aus der Zukunft,

00:15:07: über die wir nachdenken.

00:15:09: Marte,

00:15:12: prototypisiert Zustände aus der Zukunft,

00:15:15: über die wir nachdenken.

00:15:17: Krise, das ist noch mal für mich andershin.

00:15:20: Ja, ich mach das dann im Beispiel fest.

00:15:23: Wir haben heute über Afghanistan geredet.

00:15:25: Und in Afghanistan gibt es aktuell ein ganz großes Konfliktproblem.

00:15:29: Wir reden hier von jungen Frauen und Mädchen,

00:15:32: die von sämtlicher Bildung ausgeschlossen sind.

00:15:35: Die Taliban vor Ort haben die Schulen geschlossen für die Mädchen.

00:15:39: Sprich, wenn wir uns fragen,

00:15:41: wie können wir eine Lösung finden in diesem Problem,

00:15:44: dann gibt es aktuell Diskussionen um digitale Schulen, mobile Schulen.

00:15:49: Design Fiction würde in diesem Prozess

00:15:52: diese Menschen zusammenbringen.

00:15:54: Sie über einen Zukunfts-Szenario nachdenken lassen,

00:15:57: indem wir mobile Schulen für afghanische Frauen und Mädchen anbieten.

00:16:01: Dann aber einen Schritt weitergehen

00:16:03: und zusammen in der Gruppe sich alltägliche, einfache Objekte einfallen lassen,

00:16:07: die in diesem Beispiel könnten das so Sachen sein,

00:16:11: wie eine Pruschüre für eine digitale Universität

00:16:15: für afghanische Frauen

00:16:17: oder ein Kodikulum für eine Fern-Unikurs,

00:16:21: der nur wie ein Mobiltelefon funktioniert.

00:16:24: Und wir entwickeln dann diese kleinen Gegenstände

00:16:27: und können diese Gegenstände dann in das Gespräch mitnehmen.

00:16:30: Zur Entscheidungsträgerinnen gehen und sagen, hey, schau mal,

00:16:33: hier drüber würde ich gerne noch mal konkret reden

00:16:37: und Entscheidungen und Lösungen finden.

00:16:39: Und das Ganze, was ist der Effekt dieses Spiels?

00:16:42: Wir machen dadurch die Zukunft, für die wir uns entscheiden wollen,

00:16:45: es ist nicht mehr abstrakt, es ist nicht mehr groß,

00:16:48: sondern wir können das anfassen und dadurch

00:16:51: über emotionale Psychologie auch Entscheidungen herbeiführen,

00:16:55: die vorher im Gesprächsraum so wahrscheinlich nicht möglich gewesen wären.

00:16:59: Das ist die Magie von DesignFiction.

00:17:03: Vielen Dank.

00:17:05: Linda, macht es denn wissenschaftlich Sinn, was Marte da spricht?

00:17:10: Gute Frage aus sehr vielen Perspektiven macht das sehr viel Sinn.

00:17:15: Ich glaube, da würde ich so anfangen, dass die Wissenschaft sich sehr einig

00:17:19: darüber ist, dass der Journalismus Veränderungen braucht

00:17:22: und dass der Journalismus vielfältige Ansätze braucht,

00:17:25: um diese Veränderungen herbeizuführen.

00:17:28: Es gibt definitiv eine große Diskussion an der Wissenschaft,

00:17:31: darüber, welche Rolle der Journalismus einnehmen soll,

00:17:34: also darüber gibt es eine große Diskussion an der Wissenschaft.

00:17:37: Was er eigentlich tun soll, was er darf, was seine Aufgabe ist,

00:17:40: wie aktivistisch er sein soll und sein kann,

00:17:42: ist auch ganz, ganz wichtig, dass wir diese Diskussion führen.

00:17:45: Sobald wir aber neue Dinge ausprobieren und innovativ sind,

00:17:49: beispielsweise Ansätze wie DesignFiction benutzen,

00:17:52: geht es immer darum, etwas Neues auszuprobieren.

00:17:55: Bei jeder Innovation ist es auch der Klug, dass wir am Anfang nicht wissen,

00:17:59: was damit passiert und ob es funktioniert.

00:18:01: Wenn wir scheitern, ist es auch erst mal nicht so schlimm,

00:18:04: weil daraus lernen wir was.

00:18:06: Darüber ist sich die Wissenschaft auch sehr einig, dass das der Fall ist.

00:18:11: Eine Methode, die auch in vielen wissenschaftlichen Teildisziplinen genutzt wird,

00:18:15: wie beispielsweise auch der Wissenschaftskommunikation,

00:18:18: weil die Grundlagen einfach sehr ähnlich sind.

00:18:20: Wie macht man etwas greifbar, was im ersten Moment sehr abstrakt scheint?

00:18:24: Wie kann man damit arbeiten?

00:18:26: Wie kann man mit Informationen und Erkenntnissen arbeiten,

00:18:29: die man hat und die irgendwie Nahrbar machen für Menschen?

00:18:32: Das ist schon ein Ansatz, der viel verfolgt wird.

00:18:34: Und viele dieser Teilaspekte wiederum, die passieren innerhalb dieses Prozesses des Design-Fictions,

00:18:39: von denen wissen wir sehr gut, dass sie funktionieren.

00:18:42: Das ist auch wissenschaftlich untersucht und belegt.

00:18:44: Wie beispielsweise das Gruppenzügehörigkeit, Ideen in Gruppen mit anderen gemeinsam entwickeln.

00:18:49: Ja, alleine auch schon ein Prozess der Annäherung an fremde Menschen oder vielleicht auch bekannte Menschen hervorruft,

00:18:55: dass die auseinandersatzl mit Worten, Bildern, Ideen sehr hohes semanisches Potenzial hat,

00:19:00: von dem wir auch wissen, dass es sich im Kopf verankert.

00:19:02: Das ist Prozesse wie beispielsweise das Lernen beschleunigt und verbessert,

00:19:07: dass man empathischer ist, sich besser in Dinge her einfühlen kann und diese ganzen Lösungen einem selber dann ja auch näher werden

00:19:14: und man sie vielleicht auch mehr in die Praxis involviert.

00:19:17: Das kennen wir auch aus anderen Prozessen wie beispielsweise, dass wir darüber nachdenken,

00:19:21: wie genau jetzt mal was ganz anderes, aber könnte Mülltrennung aussehen.

00:19:24: Und dann haben wir uns diese Frage gestellt und vielleicht darüber diskutiert und vielleicht überlegen,

00:19:27: ob wir abends dann schon besser oder genauer am eigenen Leib beim Tomatenschnippeln oder wie auch immer,

00:19:34: wie der Müll getrennt wird und was wir damit machen.

00:19:36: Das heißt, es übersetzt sich immer gleich auch in den Kopf und darüber müssen wir wissenschaftlich sehr viel.

00:19:42: Jetzt habe ich mich ja an dich gewendet als wissenschaftliche Instanz, die so überall steht und das jetzt hier bewertet,

00:19:48: aber so möchte ich das ja eigentlich nicht stehen lassen.

00:19:51: Mich würde interessieren, inwiefern die Praxisarbeit die Mathe macht, sich wiederum in deine Wissenschaft einschleicht,

00:19:59: weil Wissenschaft ist ja Theorie, wie wir wissen.

00:20:03: Ja, das tut sie sehr doll und darüber bin ich sehr, sehr froh.

00:20:06: Vielleicht starte ich jetzt mal so bei mir selber auf ganz individueller Ebene.

00:20:10: Wir sehen durchaus große Unterschiede in der handlingsweise Anfragstellung und das kann ich nicht leugnen.

00:20:16: Da will ich zum Beispiel auf die Dynamik hinaus, vielleicht auch die Schnelllebigkeit, die Zeit, die wir uns einräumen.

00:20:22: Also ich sage das jetzt mal so ins Blaue hinein.

00:20:24: Entschuldigung, alle Wissenschaftlerinnen da draußen, aber wenn wir manchmal das Gefühl haben,

00:20:28: wir müssen über eine Frage drei Wochen nachdenken und wir müssen auch noch was nachlesen

00:20:32: und eigentlich müssen wir das dann auch noch in Ruhe besprechen.

00:20:34: Ja, würden die Praktikerinnen unter uns vielleicht sagen,

00:20:36: gut, wir brainstormen am Nachmittag und abends haben wir eine Antwort,

00:20:39: dann ist das so, beim Morgen machen wir weiter.

00:20:41: Es sind komplett andere Herangehensweisen mit denen wir an der Uni manchmal ein bisschen überfordert sind

00:20:45: und denken, es geht jetzt alles viel zu schnell, das geht jetzt irgendwie so nicht.

00:20:48: Was aber gleichzeitig ja genau deswegen so wahnsinnig wichtig ist,

00:20:51: weil in den Moment, wenn es so anders ist, macht es schon etwas mit uns.

00:20:54: Und dabei bin ich sehr froh, weil ich glaube, es ist immer wichtig mal zu gucken, wie andere Menschen arbeiten.

00:20:59: Was kann man sich davon abgucken? Was kann es eventuell beeinflussen?

00:21:01: Und das tut es ganz, ganz stark.

00:21:03: Und wiederum entsteht natürlich aus dieser Gemeinsamkeit dann auch was Neues, was irgendwie toll ist,

00:21:08: was deswegen auch so speziell und so eigen ist.

00:21:10: Und es sollte und daran glaube ich ganz fest und daran glauben auch alle Teilnehmenden des Projekts

00:21:16: immer auch Ziel der Wissenschaft sein, die Veränderung nicht nur als Gegenstand zu sehen,

00:21:21: sondern irgendwo auch als Ziel.

00:21:23: Das heißt damit, dass wir sehen, dass etwas gleich in die Praxis übersetzt wird

00:21:27: und wie das vor allen Dingen auch passiert und wie wir auch miteinander arbeiten können

00:21:31: zwei so unterschiedliche Instanzen, kann auch Gegenstand der Forschung sein

00:21:35: und sollte auch irgendwie immer zielorientiert sein mit einem Impuls, den man setzt in der Realität.

00:21:42: Vielleicht nochmal zusammenfassend, Marte.

00:21:44: Wir haben jetzt ganz kurz über verschiedene Punkte gesprochen.

00:21:48: Was sind denn drei Skills?

00:21:51: Weil unser Panel heißt ja, was brauchen wir für die eskalierenden Journalismus in Krisengebieten?

00:21:57: Was sind denn so Skills, wo du sagst, was braucht man denn da?

00:22:00: Was findest du besonders wichtig?

00:22:04: Wir haben heute viel über Dialogformate gesprochen.

00:22:07: Und wenn wir in Dialogformate denken, dann müssen wir bei Journalistinnen und Journalisten

00:22:15: allgemein journalistischen Publikationen und Projekten daran denken,

00:22:19: wie werden denn diese Dialoge facilitiert?

00:22:22: Wer moderiert sie und was für Fähigkeiten brauchen wir dafür?

00:22:26: Speziell in Krisen- und Konfliktgebieten, ich habe es vorhin schon erwähnt,

00:22:30: ist es unheimlich schwer mit Menschen, die im Konflikt zueinander stehen,

00:22:34: ein konstruktives Gespräch zu führen.

00:22:36: Was gibt es dafür Wege?

00:22:38: Was für Fähigkeiten brauchen wir dafür?

00:22:40: Was für einen Wissen brauchen wir dafür?

00:22:42: Das ist eine der ersten und wichtigsten Fähigkeiten, die wir bei Journalistinnen oder Journalisten

00:22:46: oder allgemein in journalistischen Medienhäusern, die sich dem Dialogformat annähern,

00:22:51: einfach weiter ausbilden müssen.

00:22:53: Das zweite große Fähigkeitenbündel, nenne ich es jetzt schon, ist Community Management.

00:22:58: Wir haben dieses Jahr auf dem Wipfischer Festival häufig von Loyalty Economy gesprochen.

00:23:03: Wir haben uns den Journalisten und die Journalistinnen als Personemarken angeschaut

00:23:08: und haben auch rund an den Beispielen diskutiert.

00:23:12: Ich saß gestern in einem Panel, da wurde Fabrizio Romano erwähnt,

00:23:16: ich weiß nicht, wer ihn hier im Publikum kennt.

00:23:18: Das ist ein Sportjournalist aus Italien, der berühmt dafür geworden ist,

00:23:24: die Anlaufstelle an der Mainz zu sein für Sportfans weltweit,

00:23:27: wenn es um Transferneuigkeiten geht.

00:23:29: Das macht er, indem er als Allererster auf TikTok die Meldungen verbreitet

00:23:34: und sich dadurch eine sehr enge Community aufgebaut hat.

00:23:36: Und warum ist er so erfolgreich?

00:23:38: Weil die Menschen ihm vertrauen, dass er anders als die journalistischen Publikationen

00:23:43: im Sportjournalismus, dass er die Wahrheit wirklich verbreitet, um nicht nur Gerüchte.

00:23:47: Und ich glaube, das ist ein Ansatzpunkt, den Journalistinnen und Journalisten

00:23:52: Krisengebieten weitausbauen müssen.

00:23:53: Wie erhalten sie dieses Vertrauen?

00:23:55: Wie bauen sie die Community auf, die letztlich dann auch in den Dialogformat hilft?

00:24:00: Und vielleicht ein dritter Skill, konstruktiver Journalismus bedeutet ja auch immer,

00:24:05: mehr Kontext geben, mehr Hintergrund geben, neue Lösungsansätze und Ideen aufzeigen,

00:24:11: aber auch ein Problem von vielen Seiten aus beleuchten.

00:24:15: Das würde in unserem Afghanistan Beispiel aber auch heißen,

00:24:18: dass wir uns mit den Taliban beschäftigen müssen, mit denen reden müssen.

00:24:21: Und eine Fähigkeit, die wir im Journalismus allgemein entwickeln müssen,

00:24:25: aber auch ganz individuell bei Journalistinnen und Journalisten,

00:24:28: die in der Situation eine Entscheidung treffen müssen.

00:24:31: Da geht es um die Frage, wie hole ich denn beide Seiten ein,

00:24:34: ohne eventuell einem gefährlichen Narrativ eine Bühne zu geben?

00:24:39: Das sind so die drei größten Herausforderungen, die wir erkannt haben,

00:24:42: die Journalistinnen mitnehmen müssen, um den Dialogformat erfolgreich zu machen,

00:24:45: die Journalismus aber allgemeinen Krisen- und Konfliktgebieten benötigt.

00:24:48: Linda, hast du auch noch eine kleine Zusammenfassung für uns?

00:24:52: Grundsätzlich eine Zusammenfassung, ja, bevor ich es vergesse,

00:24:55: bin ganz froh, dass du jetzt noch fragst,

00:24:56: weil ich Ihnen gerne noch einen Punkt hinzufügen möchte, zu Diomate.

00:25:00: Ein Punkt, der für alle Journalisten weltweit sicherlich unentbehrlich ist,

00:25:03: aber uns glaube ich auch immer bewusster wird,

00:25:05: wie wichtig in diesen Krisen- und Konfliktregionen sind ganz persönliche soziale Eigenschaften,

00:25:11: wie beispielsweise Empathie und Einfüllungsvermögen und Verständnis.

00:25:16: Dazu gehört wahnsinnig viel Ausdauer, das ist auch wahnsinnig anstrengend,

00:25:20: ich will gar nicht sagen, dass es einfach ist.

00:25:21: Aber um genau zu verstehen, was Menschen warum bewegt, das auch nachvollziehen zu können,

00:25:27: ist auch erforderlich, dass man ganz, ganz, ganz weit aus dem eigenen Umfeld

00:25:30: und eigentlich dieser eigenen Betrachtungsweise und aus seinen Meinungen heraustritt,

00:25:34: weil nur dann geht es tatsächlich so richtig tolerant zu sein.

00:25:38: Mir fällt ansonsten noch sehr, sehr, sehr viel ein.

00:25:41: Also Marta hat jetzt noch passenderweise vielleicht auch noch als Zusammenfassung

00:25:44: von den polarisierten Meinungen und der ganzen Öffentlichkeit gesprochen,

00:25:48: was natürlich stimmt, wenn man sich vor Augen führt, wie jede Meinung kriegsentscheidend sein kann

00:25:53: und es eigentlich ja auch nur darum geht, die Bevölkerung im weitesten Sinne mitzunehmen,

00:25:57: sag ich jetzt mal so runtergebrochen.

00:25:59: Und das dann natürlich auch ganz, ganz, ganz schwierig führt, Objektivität zu erhalten,

00:26:04: weil was ist eigentlich in den Momenten objektiv?

00:26:07: Und ich glaube, dass man durch Dialog und durch den Austausch

00:26:10: dieser Antwort zumindest sehr, sehr, sehr viel näher kommt und da freue ich mich

00:26:14: und all meine Kollegen wahnsinnig doll.

00:26:17: So, und ich rede hier immer von Theorie und Praxis und wir reden hier ganz seit von Dialog.

00:26:22: Dialog sollte auch hier stattfinden.

00:26:25: Von da er freue ich mich, wenn ihr die ein oder andere Frage habt und euch traut,

00:26:31: konntet ihr denn folgen, habt ihr eine Frage zum Projekt oder nochmal

00:26:35: möchtet ihr eine Konkretisierung zu etwas haben, dann meldet euch bitte jetzt.

00:26:41: Die Kollegin kommt zu dir, vielleicht sagst du auch deinen Namen, wenn du magst.

00:26:45: Ja, mein Name ist Fabian, Fabian Edschardt und meine Frage ist konkret jetzt an Sieher

00:26:51: Raspowicz.

00:26:52: Ich habe noch nicht ganz verstanden, wie konkret jetzt diese Praxisarbeit ausgeht.

00:26:56: Also sind Sie im Hintergrund aktiv beratend, also Sie beraten andere Journalistinnen und

00:27:02: Journalisten oder machen Sie den Journalismus letztendlich auch selber, Artikel schreiben,

00:27:06: Beiträge, das wäre meine Frage.

00:27:08: In dem Projekt versuchen wir Solutions Journalism

00:27:14: und die Inhalte, die viele tolle konstruktive Journalisten und Journalistinnen entwickeln,

00:27:22: besser in die Gesellschaft zu tragen.

00:27:23: Und die Idee, wie das, die aktuelle Idee, wie das funktionieren soll, die wir auch getestet

00:27:29: haben und mit der wir experimentieren, da geht es darum, sich ein Thema im Problemfeld

00:27:35: anzuschauen, dass wir heute in Krisen- und Konfliktgebieten erkennen.

00:27:38: Ich habe vorhin das Beispiel mit den afghanischen Schulen genannt und sich dann anzuschauen

00:27:44: wer ist da draußen, der schon über dieses Thema berichtet.

00:27:47: Welche Journalistinnen und Journalisten schreiben schon dazu und schreiben idealerweise auch

00:27:53: noch in Lösungen bzw.

00:27:55: im konstruktiven Journalismus über das Thema, um sich Lösungen anzunähern.

00:28:00: Wir untersuchen diese Artikel und picken dann erste Lösungsansätze heraus und überlegen

00:28:05: uns, wer sind denn eigentlich die Menschen vor Ort und ganz allgemein auch in der Welt,

00:28:11: die zu dem Thema Bescheid wissen, die davon betroffen sind und die wir in den Dialog bringen

00:28:15: müssen.

00:28:16: Das fällt dann meistens in die Kategorien Expertinnen und Experten, Journalistinnen und Journalisten,

00:28:21: auch die Person, die den Artikel geschrieben hat, letztlich aber auch die Menschen, die

00:28:26: im Land betroffen von den Problemen sind, über das wir den Dialog dann veranstalten.

00:28:32: Die bringen wir zusammen und halten dann dieses Dialogformat, das meistens eine Stunde,

00:28:37: eine halbe, mal länger, mal kürzer und versuchen in diesem Dialogformat dann auch tatsächlich

00:28:43: über diese Zukunftszenarien nachzudenken, die Menschen über neue Lösungswege nachdenken

00:28:48: zu lassen und entwickeln diese Prototypen, damit wir nach dem Dialog an Entscheidungsträgerinnen

00:28:54: und Träger herantreten können und das auch nochmal in die breitere Gesellschaft tragen

00:28:58: können.

00:28:59: Und da kommt dann auch wieder der Journalismus ins Spiel.

00:29:01: Wir selbst, ich habe es vorher erwähnt, haben mit Journalistinnen und Journalisten im Team,

00:29:05: die diesen Prozess dann beleuchten, einen Podcast machen, einen Artikel schreiben und

00:29:10: in die Welt hinaus tragen, letztlich dann auf der eigenen journalistischen Plattform

00:29:15: auch publizieren.

00:29:16: So schließen wir den Kreis von Journalismus als Ausgangspunkt zu Journalismus, der dann

00:29:22: darüber berichtet.

00:29:23: Ich würde gerne noch was ergänzen.

00:29:24: Also man muss sich das so vorstellen, wir haben letztes Jahr eine Förderung ausgeschrieben

00:29:30: oder vorletztes Jahr war die Ausschreibung.

00:29:32: Ich weiß gar nicht, du bist durch die Gegend getourt, hast überall deine Telefonnummer

00:29:36: verteilt, weil in Afghanistan und im Libanon kann man auch nicht einfach so eine Online-Ausschreibung

00:29:41: machen, weil die Leute werden ja verfolgt, die haben vielleicht Angst um ihr Leben.

00:29:45: Und Marte ist da wirklich rumgetourt auf komischste Art und Weise, so ganz habe ich es auch nicht

00:29:51: immer mitbekommen und hatte eine spezielle gesicherte Telefonnummer und die wurde dort

00:29:56: verteilt.

00:29:57: Die Leute haben sich, das ging dann von Mund zu Mund zu Mund und die Leute haben sich bei

00:30:01: uns gemeldet, also Journalisten und Journalistinnen aus Afghanistan, dem Libanon, aus Deutschland,

00:30:07: aus Südamerika und haben gesagt, wir wollen da mitarbeiten und zu dieser Projektgruppe

00:30:12: gehören.

00:30:13: Daraus wurde ein Team erstellt, also die sitzen überall und kommen hin und wieder so zwei,

00:30:19: drei Mal im Jahr zusammen ungefähr und tauschen sich auch aus.

00:30:24: So muss man sich das vorstellen und die erarbeiten dieses Projekt und wenn man eben überall auf

00:30:28: der Welt sitzt, dann braucht es auch so jemand wie Marte, der da ein bisschen Struktur reinbringt,

00:30:35: guckt, dass alle zur rechten Zeit am rechten Ort sind oder hat ja auch kulturelle Hintergründe.

00:30:41: Ja, jemand in Afghanistan arbeitet anders als im Libanon, arbeitet anders als in Südamerika,

00:30:47: arbeitet anders als in Deutschland.

00:30:49: Und das zusammenzubringen, zum Beispiel, um sowas kümmert sich dann auch Marte und

00:30:54: das am Ende was rauskommt, zum Beispiel What If.

00:30:57: Ich schaue auf die Uhr ganz brav, wir hätten noch Zeit für eine Frage, falls es noch eine

00:31:02: Frage gibt.

00:31:03: Darf ich auf Englisch hören?

00:31:06: For sure.

00:31:07: Quick question.

00:31:08: I was involved in media in conflict areas about 20 years ago and we deliberately chose

00:31:16: radio because people were frightened of cameras and also in the social media platforms and radio

00:31:25: was a great way of giving a voice to the voiceless.

00:31:29: My question is 20 years later, is radio still relevant?

00:31:33: Is it still used?

00:31:36: Or has it been replaced by, let's say, digital podcasts and on demand?

00:31:40: Ja, definitiv, ist noch relevant, wird auch sehr viel genutzt.

00:31:43: Gibt es nach wie vor in allen möglichen Ländern vor allem in riesigen Konfliktregionen sehr

00:31:47: relevant aber in Deutschland auch total.

00:31:49: Was aber auch nach wie vor immer noch der Fall ist, ist, dass das natürlich total,

00:31:53: oder sagen wir mal recht beeinflusst ist und zum Teil genauso monopolisiert und es da

00:31:57: wenig Zugangsmöglichkeiten und Veränderungsmöglichkeiten gibt.

00:32:01: Deswegen auch und da könnte ich jetzt weiter ausholen, aber das war eigentlich nicht die

00:32:04: Frage, die Fragestellung danach, was Potenziale der Digitalisierung sind, nachdem wir auch

00:32:09: so viele negative Careseiten kennen und dadurch eher der Fokus auf digitale Formate, die

00:32:16: eben ganz für jetzt erlauben, wie beispielsweise Effect Checking, wie beispielsweise auch viel

00:32:21: transparentere Berichterstattungsmuster und auch die Möglichkeit und die Verantwortung

00:32:27: so ein bisschen an den Nutzer*innen da auch vielleicht auch mal selber in die Aktion zu

00:32:30: treten, entweder Beitrag zu schreiben, teilzunehmen, viel partizipativer, viel zugänglicher, viel

00:32:35: verfügbarer.

00:32:36: Alles Optionen, die das Radio nicht bietet.

00:32:38: Was das Internet natürlich auch nur bedingt oder zumindest in einem sehr geschützten Raum

00:32:43: stattfinden muss, wissen wir alle, dass es nicht immer ganz so gut funktioniert, wie

00:32:46: wir uns das wünschen würden.

00:32:47: Aber genau, deswegen, der Blick eher darauf.

00:32:50: Ja, Radio ist immer noch sehr relevant, aber eben auch oft sehr manipuliert.

00:32:54: Marte, habt ihr denn über Radio nachgedacht damals?

00:32:57: Ja, ein.

00:32:58: Ich hab vorhin erwähnt, dass die Universität der Bundeswehr München uns unterstützt

00:33:04: hat mit den Erkenntnissen aus ihrer Forschung ein wichtiger Block war dabei auch herauszufinden,

00:33:10: was sind denn eigentlich die Medientypen, die am häufigsten verwendet werden in den

00:33:14: Ländern vor Ort.

00:33:15: In unserem Fall haben wir uns vor allem auf den Liebernorn sehr stark angeschaut.

00:33:19: Wir müssen immer dran denken, dass bestimmte Medienformen auch schon besetzt sind durch

00:33:25: die größeren Arteure in dem Feld, die Medienhäuser, die jede ganz eigene Narrative verbreiten

00:33:31: wollen.

00:33:32: Weshalb wir viele unabhängige und alternative Medienangebote sehen, die vor allem Social

00:33:38: Media für sich nutzen.

00:33:39: Wenn wir heute wieder auf Afghanistan bezogen, uns anschauen, wofür den Menschen Dialog

00:33:45: über die Probleme und Themen, die sie in ihren Ländern sehen, dann sehen wir vor

00:33:48: allem Twitter Spaces, Facebook Gruppen.

00:33:52: Bis vor kurzem war es auch Clubhouse tatsächlich, immer noch WhatsApp, also alle Messenger-Dienste,

00:33:59: in denen Menschen sich gruppieren, zusammenkommen und wirklich auch aktiv diskutieren.

00:34:04: Also wer sich schon mal in afghanischem Twitter Space angeschaut hat, das ist der Wahnsinn.

00:34:10: Viel Investierter, viel Engagierter, viel aktiver.

00:34:14: Wenn das Ganze dann auch noch gut modelliert ist, dann entsteht da ein totales Potenzial

00:34:18: für konstruktiven Journalismus.

00:34:20: Wenn sich Menschen über verschiedene Kontexte, Hintergründe, Lösungsansätze austauschen

00:34:27: und wirklich mit den journalistischen Ergebnissen, mit den Inhalten auseinandersetzen gehen,

00:34:33: dann ist da dann ein Potenzial da, dass man heben kann.

00:34:35: Und dementsprechend haben wir uns in unserem Projekt sehr viel stärk auf Social Media konzentriert.

00:34:39: Darf ich vielleicht, sorry, nur ganz kurz der Aktualität wegen noch was ergänzen, was

00:34:43: wir jetzt einführen, wird zum Beispiel unter anderem momentan untersuchen, wie die Mediennutzungen

00:34:48: in Afghanistan seit Übernahme der Taliban genau aussieht.

00:34:51: Weil es tatsächlich so ist, dass die Faktenlage seit zwei Jahren jetzt seit der erneuten

00:34:56: Übernahme der Taliban wahnsinnig, wahnsinnig gering ist.

00:34:59: Und das ist eine Fragestellung, die wir uns auch gerade ganz massiv stellen.

00:35:02: Also wie und welche Medien eigentlich eine einfache Frage aber nutzen Menschen vor Ort

00:35:06: denn eigentlich und da ist die erste Herausforderung überhaupt schon an Teilnehmer*innen vor Ort

00:35:11: zu kommen.

00:35:12: Und ich lasse mit der Schwierigkeit und überhaupt den Link versenden zu dürfen und Menschen,

00:35:17: die in Sicherheit sind.

00:35:18: Genau, insofern hochrelevante und aktuelle Frage.

00:35:20: Und ich gerne noch ergänzen, danke.

00:35:22: Sehr gerne.

00:35:23: Also das zu dem Thema gibt es ganz, ganz viel und ich will Danke an dieser Stelle sagen,

00:35:29: dass es nämlich der Startauftakt für unsere zweite Staffel Media for Peace, der Podcast.

00:35:33: Ihr habt schon gemerkt, da werden ganz viele Teilbereiche angesprochen.

00:35:37: Zum Beispiel Social Media auch.

00:35:39: Da haben wir eine Folge gemacht, den Staffel 1 dazu mit einer Expertin, wie Social Media

00:35:44: genutzt wird, zum Beispiel in Krisengebieten pro, also um die Leute zu erreichen, aber

00:35:49: auch was das schon bedeutet für die Leute vor Ort, da auch, sag ich mal, politisch Interessen

00:35:56: und so weiter, Social Media schon für sich entdeckt haben.

00:36:00: Da ist zum Beispiel ein spannendes Beispiel.

00:36:02: Und wir haben auch eine Folge gemacht mit Ellen Heinrichs, die hier dieses Festival auf die

00:36:06: Beine gestellt hat, vom Bonn-Institut über konstruktiven Journalismus.

00:36:10: Also wenn ihr da in Themenbereiche rein hören wollt, natürlich, ich bin ja die Host, empfehle

00:36:15: ich euch diesem Podcast, Media for Peace ist auf einem Plattform, Spotify, Podgy, iTunes.

00:36:21: Freut mich sehr, dass ihr den Weg hierher zu uns gefunden habt und euch für das Thema

00:36:26: interessiert.

00:36:27: Das ist immer der erste Schritt, damit wir das umgesetzt bekommen.

00:36:30: Danke, Marte.

00:36:32: Danke, Linda.

00:36:33: Und danke an euch, dass ihr diese Podcast-Folge mit uns gemacht habt.

00:36:37: Applaus für euch alle.

00:36:38: Media for Peace, der Podcast für friedensorientierten Journalismus.

00:36:53: Eine Produktion des Media Lab Bayern.

00:36:56: Media for Peace ist eine Kooperation mit dem DTECHBW, Zentrum für Digitalisierungs- und

00:37:01: Technologieforschung der Bundeswehr und der Universität der Bundeswehr München.

00:37:05: [Musik]

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