Media for Peace #13 Empathie im Journalismus
Shownotes
Empathie ist in der Berichterstattung über sensible Themen eine wichtige journalistische Fähigkeit. Doch wie sie eine professionelle Empathie aus? Wie gelingt es Redaktionen Empathie greifbar zu machen, ohne die objektive Berichterstattung zu verlieren?
"Journalismus muss sich verändern, weil sich die Welt verändert", Barbara Maas, Freie Journalistin aus Deutschland
Barbara Maas hat das Framework Journalism Spaces erfunden. Dieses spielerische Framework soll Journalisten und Journalistinnen einen kompetenten Zugang zu Empathie in ihrer Arbeit ermöglichen.
"Empathy can promote respect and compassion", Laura Dulce Romero, Freie Journalistin aus Kolumbien
Die Journalistin ist Fellow bei Media for Peace, dem Projekt, und entwickelt mit ihren mit 4 weiteren Personen die Plattform "what if". Eine Plattform für mehr Dialog und deeskalierenden Journalismus mit dem Fokusländern Libanon und Afghanistan.
Zum Framework: https://www.media-lab.de/de/r-d-fellowship/r-d-fellowship-die-ergebnisse/r-d-projekt-barbara-maas
Mehr zu Barbara Maas: https://barbara-maas.de/
Weitere Informationen zu Media for Peace findest du auf https://www.media-lab.de/de/media-for-peace
Das ist Media for Peace. Der Podcast auf den Spuren des peace-oriented Journalismus. Eine Kooperation mit der Universität der Bundeswehr München und von DTEC.BW – Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr.
Transkript anzeigen
00:00:00: Journalismus der Frieden ermöglicht.
00:00:05: Das ist Media for Peace.
00:00:09: Ein Podcast des Media Lab Bayern.
00:00:12: Und mit mir, Sabrina Harper.
00:00:14: In der heutigen Folge geht es um Empathie.
00:00:17: Das klingt vielleicht erst einmal etwas rührselig oder seltsam, steckt aber einiges dahinter.
00:00:23: Was hat Empathie denn genau mit Journalismus zu tun und was ist mit dem Begriff gemeint?
00:00:29: Ist es Fingerspitzengefühl?
00:00:30: Ist es Verständnis für das Gegenüber?
00:00:32: Oder sollte und muss jeder Journalist bzw. jede Journalistin Empathie können?
00:00:39: Laura Dolce Romero erzählt uns gleich, inwiefern Empathie bei ihrer Arbeit in den Konfliktsonen
00:00:45: im Libanon und in Afghanistan eine Rolle spielt.
00:00:48: Davor habe ich Barbara Maas zu Gast.
00:00:51: Die freie Journalistin hat ein Framework entwickelt, das es Redaktionen ermöglicht, so eine schwer
00:00:57: greifbare Sache wie Empathie zu professionalisieren.
00:01:00: Warum für Barbara so ein Softskill wie Empathie zum guten Handwerkszeug im Journalismus gehört,
00:01:07: hört ihr jetzt.
00:01:08: Media for Peace.
00:01:10: Insights.
00:01:11: Hallo Barbara, willkommen bei uns im Podcast.
00:01:14: Hi, danke, dass ich da sein darf.
00:01:17: Ich freue mich total.
00:01:18: Ja, du bist ja freie Journalistin und ich werde dich jetzt erst einmal ganz provokativ fragen.
00:01:25: Ist Journalismus denn nicht empathisch?
00:01:27: Ich finde die Frage gar nicht so provokant, weil ich denke, dass das, was wir gelernt
00:01:34: haben oder was ich zumindest gelernt habe in meiner journalistischen Ausbildung, nicht
00:01:39: besonders empathisch aus.
00:01:40: Und das habe ich gemerkt, weil ich vor ein paar Jahren Design Thinking gelernt habe, so
00:01:46: eine Innovationsmethode, in der es ganz viel um Empathie geht und um darum mit Nutzern
00:01:52: und Nutzern Interviews zu führen.
00:01:55: Dabei habe ich gemerkt, ich habe ganz schön viele Suggestivfragen gestellt und ich bin
00:02:01: überhaupt gar nicht empathisch gewesen in meinen allerersten Nutzern Interviews.
00:02:05: Ich habe mich gar nicht so richtig in die Leute reinversetzt.
00:02:08: Und das fand ich total interessant und wollte dann halt einfach immer, immer mehr so darüber
00:02:14: lernen und habe halt wie gesagt viel Design Thinking gemacht.
00:02:18: Das mache ich bis heute.
00:02:19: Und ich habe später noch eine systemische Coaching Ausbildung gemacht und habe dann
00:02:24: noch mehr so darüber gelernt.
00:02:25: Zurück zu deiner Frage.
00:02:27: Ich glaube, da tut sich gerade was.
00:02:29: Also ich glaube, ziemlich viele Leute haben das erkannt.
00:02:33: Also ich glaube nicht, dass ich die einzige Person bin, die jetzt irgendwie verstanden
00:02:37: hat oder gesehen hat, dass das vielleicht ein Problem ist und dass wir vielleicht nicht
00:02:41: empathisch genug sind.
00:02:42: Da ist aber noch ganz viel Luft nach oben.
00:02:44: Wenn wir es von empathisch sprechen, damit meinst du es aber nicht, ich frag mal ganz
00:02:51: platt, so eine Gefühlstußelei?
00:02:53: Nee, genau.
00:02:54: Das meine ich damit nicht.
00:02:56: Sondern ich meine wirklich zuhören die andere Person oder die anderen Personen halt auch
00:03:03: sehen.
00:03:04: Also denen hat auch das Gefühl geben und den Raum, dass sie mit ihrer Meinung und
00:03:09: mit ihren Ansichten sich äußern können.
00:03:11: Ganz offen.
00:03:12: Wir haben ja bei Media for Peace auch einen Fokus auf andere Länder.
00:03:17: Das ist der Libanon und Afghanistan.
00:03:20: Wenn du sagst, sich in andere Leute rein zu versetzen, dann ist das ja das eine, jetzt
00:03:25: sage ich mal hier in deutschsprachigen Raum, sich in jemand anderes rein zu versetzen.
00:03:29: In solchen Ländern steckt da ja auch viel Politisches dahinter oder andere Mediensysteme.
00:03:36: Zum Beispiel im Libanon gibt es irgendwie ein Dutzend verschiedene Religionsansichten,
00:03:44: die wiederum in die mediale Berichterstattung einfließen.
00:03:47: Dann hat jede eine Ausrichtung ihren eigenen Sender und erzählt es aus ihrer Perspektive
00:03:53: zum Beispiel.
00:03:54: Da spielen ja solche Ansätze, wie du sie gerade nennst, sich in verschiedene Personen rein
00:04:00: zu versetzen.
00:04:01: Noch mal eine ganz, ganz wichtige Rolle.
00:04:03: Also ich habe mich ja selber nicht richtig mit Krisenregionen beschäftigt.
00:04:11: Also ich war als Reporterin nie im Ausland in solchen Regionen.
00:04:16: Und darum habe ich wirklich so eine Ausensicht und bin keine echte Expertin für diese Länder,
00:04:24: mit denen ihr euch beschäftigt.
00:04:25: Ich bin von unserer Gesellschaft in Deutschland ausgegangen und habe da gesehen, dass es
00:04:32: bei uns eine wachsende Polarisierung gibt.
00:04:35: Also dass es oft irgendwie so zwei Lager gibt.
00:04:38: Ich weiß nicht, wie das in anderen Regionen oder Ländern halt auch ist.
00:04:42: Ich kann mir aber vorstellen, dass wenn es um tiefe Überzeugungen geht, wie Glaube,
00:04:49: Religion, immer schwierig ist, weil es so sehr an die Substanz geht.
00:04:53: Und das ist tatsächlich auch was, was wir in Diskussionen bei uns, vor allem im Internet,
00:04:59: auch beobachten können.
00:05:00: Nämlich, dass wenn es um ganz tiefe Überzeugungen gibt, die müssen ja gar nicht mit Religion
00:05:06: zu tun haben, die können auch mit Werten und Lehmenseinstellungen zu tun haben.
00:05:10: Dass wenn es um diese Dinge geht, Leute total schnell emotional angefasst sind, weil sie
00:05:18: sie so tief betrifft.
00:05:20: Das Verrückte ist, was ich beobachtet habe, als ich mich letztes Jahr im AMED Fellowship
00:05:24: mit dem Thema Empathie beschäftigt habe, ist, dass schon viele Leute gerade auf Instagram
00:05:32: Empathie einfordern, aber immer von den anderen.
00:05:34: Das war ganz lustig.
00:05:36: Also ich habe da jetzt keine empirische Studie zu verfasst.
00:05:39: Das ist wirklich nur so eine anekdotische Beobachtung.
00:05:42: Aber ich weiß noch, als wir so in den Anfängen waren, da kam die Nachricht von dem Tod von
00:05:51: der Queen.
00:05:52: Und da war ja auch diese Debatte um Kolonialismus und die Kronjuwelen.
00:05:58: Das war total interessant, weil es gab da ja zwei Lager.
00:06:02: Und die einen sagt, na ja, zu Recht, wir müssen auch mal über diese Dinge sprechen.
00:06:07: Und die anderen sagt, na ja, aber lasst die Leute doch vielleicht erst mal trauern.
00:06:11: Und jetzt kann die Queen selber ja auch nichts mehr daran machen, denn sie ist ja tot.
00:06:15: Und vielleicht ist das nicht der richtige Zeitpunkt dafür.
00:06:19: Und andere sagten wieder, na ja, wieso?
00:06:20: Das ist genau der richtige Zeitpunkt, weil jetzt ist gerade Aufmerksamkeit auf dem Thema.
00:06:24: Ich persönlich konnte beide Haltungen verstehen irgendwo.
00:06:29: Das Lustige ist, dass wirklich Leute in dieser Diskussion Empathie eingefordert haben für
00:06:36: sich selbst, von den anderen.
00:06:38: Die haben halt wirklich gesagt so, jetzt denkt doch bitte mal an die ganzen Leute, die eine
00:06:42: Erfahrung von Kolonialgeschichte haben.
00:06:44: Denkt doch mal an die Leute, die jetzt vielleicht wirklich trauern, vielleicht auch an die Familie,
00:06:49: so dass das jetzt vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt ist.
00:06:51: Und es ist aber ganz, ganz selten gelungen, dass Leute dann gesagt haben, ja, okay, ich
00:06:55: kann auch für die andere Haltung oder für die andere Positionen empathie verbinden.
00:06:59: Ich glaube, dass man da kommunikativ was machen kann, dass Leute das Gefühl haben, okay,
00:07:05: ich werde jetzt gesehen und unsere Welt ist halt nun mal komplex.
00:07:08: Und es gibt halt schon lange nicht mehr nur richtig oder falsch, sondern es gibt verschiedene
00:07:13: Erfahrungen und Erlebnisse in unserer Welt, die gleichzeitig sein können.
00:07:18: Also ich finde das sehr interessant, was du sagst, mit zwei Punkten.
00:07:23: Zum einen zeigt ja dein Beispiel, dass Dinge, die im Ausland passieren, sich auch in unserem
00:07:32: Alltag, in unserer näheren Umgebung widerspiegeln.
00:07:35: Also das war ja eine Diskussion, die hier stattgefunden hat.
00:07:39: Das war auch nicht unsere Queen.
00:07:41: Und trotzdem war es aber ein Thema hier und es wurde partizipiert.
00:07:45: Von daher finde ich, dass in dem Fall der Sekundär, wenn du sagst, ich war nicht im
00:07:50: Ausland, ich war nicht im Libanon, ich war nicht in Afghanistan, weil Dinge, die dort
00:07:53: passieren, zum Beispiel in Afghanistan, als der Afghanistan Krieg war, der Umgang mit
00:07:58: Frauen, die Rolle zurück.
00:08:01: Das sind ja auch Themen, die dann hier stattfinden können.
00:08:05: Zum einen.
00:08:06: Und zum anderen, was du sagst mit den zwei Lagern und im Libanon muss man sich das dann
00:08:11: so vorstellen, es gibt 15 Lager.
00:08:14: Und das macht das Ganze noch komplexer.
00:08:17: Und da finde ich diesen spannenden Ansatz von Empathie eben schon bemerkenswert, was
00:08:25: mich zu meiner nächsten Frage an dich führt und zwar, inwiefern kann das denn deeskalierend
00:08:31: wirken?
00:08:32: Naja, es ist halt so, dass wenn ich einen Raum schaffe, in dem erstmal die Leute das
00:08:43: Gefühl haben, sie können alles sagen und sie werden gesehen und irgendwie zugehört.
00:08:50: Dabei kann halt ziemlich viel Positives entstehen.
00:08:54: Und dann entsteht so ein Gefühl von psychologischer Sicherheit.
00:08:59: So, dass ich jetzt irgendwie nicht geschämt werde für meine Haltung, dass ich nicht für
00:09:06: dumm erklärt werde.
00:09:08: Das haben wir auch ganz häufig.
00:09:10: Das halt irgendwie, wenn bei Dingen, wo es um Glauben geht und nicht wissen, ja immer
00:09:14: so ein Problem.
00:09:15: Das haben wir auch bei Corona angesehen.
00:09:18: Da konnten wir auch viele Sachen nicht wissen.
00:09:19: So, man muss bestimmte Dinge glauben.
00:09:21: Wir müssen halt irgendwie, also sehen wir beim Thema Homöopathie so.
00:09:26: Und es geht halt wirklich auch oft einfach darum, was glauben wir.
00:09:30: Was bedeutet das für den Journalist oder die Journalistin?
00:09:35: Weil du hast dich ja damit beschäftigt, wie bekomme ich einen empathischeren Ansatz
00:09:41: in den Journalismus rein?
00:09:42: Und zum einen haben wir eben jetzt den Rezipienten gehabt, wie es dem geht und er hätte gern
00:09:48: einen Raum.
00:09:49: Ich würde jetzt mal ganz zu gut tief behaupten.
00:09:53: Du hast vorher gesagt, ich habe hier die Deutungshoheit.
00:09:57: Ist das denn im Journalismus dann so, dass die Journalistin die Deutungshoheit hat und
00:10:03: darüber schreibt oder wie bekomme ich mehr Empathie da rein?
00:10:07: Ich glaube, das hat was mit dem eigenen Rollenverständnis zu tun.
00:10:13: Und ich habe das Gefühl, der ändert sich gerade was.
00:10:16: Also, ich bin ja ganz viel im Kontakt mit Redaktionen, aber auch mit anderen freien Journalisten,
00:10:22: mit Leuten, die als Kutsches unterwegs sind oder als Trainerinnen.
00:10:25: Und da habe ich schon das Gefühl, dass gerade so durch den konstruktiven Journalismus,
00:10:30: aber nicht nur schon ein Gefühl dafür kommt, dass sich die Rolle geändert hat.
00:10:37: Und früher war es mir so, komm, ich erkläre dir die Welt oder halt auch so dieses typische
00:10:43: Watchdog.
00:10:44: Ich passe als Journalistin auf, dass die Mächtigen der Welt diese Macht eben nicht ausnutzen
00:10:52: und das alles im Rahmen bleibt und so.
00:10:54: Ich glaube, dass diese Rollen immer noch total wichtig sind, dass aber eine neue dazu
00:10:59: kommt, nämlich die eines Facilitators oder eines Conversation-Lieder ist halt auch so
00:11:06: eine andere Rolle.
00:11:07: Auch das habe ich mir nicht aus selber ausgedacht.
00:11:09: Das kommt so aus mit konstruktiven Journalismus.
00:11:11: Manche sagen halt auch Coach, manche sagen Mediator.
00:11:14: Dem liegt aber allen zur Grunde, dass es mehr darum geht, zu moderieren, zu gucken, wie
00:11:21: bringen wir eigentlich so eine Debatte gesellschaftlich wieder ins Laufen?
00:11:26: Wie können wir uns darüber unterhalten, was gerade unsere größten Probleme sind und
00:11:30: wie finden wir auch Lösungen?
00:11:32: Und dass es weniger darum geht zu sagen, ich habe jetzt hier als Journalistin die Deutungshoheit
00:11:36: und ich sage, wie die Welt funktioniert und ich kritisiere, sondern eher auch da, so
00:11:41: einen Raum zu öffnen.
00:11:43: Es ist jetzt vielleicht nicht so eine große Überraschung, weil das passt halt ziemlich
00:11:47: gut zu dem, was ich jetzt gerade irgendwie schon erzählt habe.
00:11:49: Aber ich finde es total wichtig, zu sagen, okay, warum bin ich jetzt eigentlich hier?
00:11:54: Was ist halt irgendwie so mein Job?
00:11:56: Und nur zu sagen, okay, so ist die Welt, nur darstellen, glaube ich, reicht nicht mehr.
00:12:02: Wir müssen halt auch dazu kommen, dass wir dafür sorgen, dass eine konstruktive gesellschaftliche
00:12:07: Debatte entsteht.
00:12:08: Verlehrt man dadurch nicht die Objektivität als Journalistin?
00:12:13: Also ich habe vor sehr vielen Jahren Kommunikationswissenschaft im Münster studiert und da gibt es eine
00:12:20: ziemlich starke konstruktivistische Schule und die sagen sowieso, dass Objektivität nicht
00:12:27: wirklich möglich ist, dass wir schon alle wirklich sehr stark geprägt sind von unserer
00:12:32: eigenen Perspektive, davon, dass wir halt nur mal in unserem eigenen Körper sitzen und
00:12:36: da nicht raus können und dass so ein hundertprozentiger Objektiver Blick eigentlich nicht möglich
00:12:43: ist.
00:12:44: Also wir sind eigentlich immer bei uns.
00:12:45: Es hat ganz viel damit zu tun, wie ich aufgewachsen bin, wie ich kennengelernt habe, was ich gelernt
00:12:53: habe auf dem Weg, was mir alles so passiert ist, also auch das Land, in dem ich lebe.
00:12:58: Ich glaube, dass so eine hundertprozentige Objektivität gar nicht möglich ist.
00:13:04: Man kann aber als Journalistin und Journalist sich überlegen und immer wieder fragen, ob
00:13:14: das jetzt eine faire Berichterstattung ist und ob es eine ausgewogene Berichterstattung
00:13:18: ist, ob verschiedene Perspektiven eingeflossen sind.
00:13:21: Ich glaube, dass dadurch Objektivität möglicher wird oder wahrscheinlicher.
00:13:26: Objektivität oder vielleicht auch neutralere Berichterstattung?
00:13:32: Ja.
00:13:33: Trifft es das so ungefähr?
00:13:36: Ja, mir geht es halt tatsächlich auch um die verschiedenen Perspektiven.
00:13:41: Also ich glaube, dass, was vor 20 Jahren Journalisten als objektive Berichterstattung
00:13:48: verstanden haben, hatte aber auch immer eine total krasse Brille von meistens damals
00:13:55: männlich, westlich geprägt und auch noch mit einem sehr hohen Bildungsstand.
00:14:01: Also ich weiß gar nicht, ob es überhaupt jemals so richtig Objektivität gab.
00:14:06: Ja, das ist eine gute Frage.
00:14:09: Ich glaube, dazu macht man eine extra Folge und hat am Ende immer noch kein Ergebnis.
00:14:14: Dein Thema ist ja dieser Empathisch Journalismus und du hast da auch ein Framework entwickelt,
00:14:20: das in einer Art Spiel daherkommt, dass man quasi in Redaktionen durchgehen kann.
00:14:27: Kannst du es noch mal so ein bisschen erklären, damit man jetzt nicht denkt, irgendwer bringt
00:14:31: Karten mit in eine Redaktion und dann wird da gespielt wie im Poker oder ähnliches,
00:14:38: sondern es ist ja schon ein bisschen anders.
00:14:40: Ja, also dieses Karten-Set heißt Journalism Spaces.
00:14:43: Ich habe ja gerade schon über den Raumöffnen gesprochen und es hat genau damit zu tun,
00:14:47: nämlich wie man Kommunikationsräume öffnen kann für die Nutzerinnen und Nutzer des
00:14:52: Journalismus.
00:14:53: Es ist tatsächlich gar nicht so richtig ein Spiel, weil man kann da nicht verlieren oder
00:14:58: gewinnen.
00:14:59: Es ist mehr so was, was ich mir so hinlegen kann und mal gucken kann, was trifft eigentlich
00:15:07: auf unsere Situation eigentlich so zu.
00:15:09: Es gibt da sieben verschiedene Schritte und es fängt halt irgendwie damit an, dass man
00:15:14: sich selbst erstmal überlegt, was ist meine eigene Rolle als Redaktion, klassische Dinge
00:15:21: wie den schon genannten Watchdog oder auch Gatewatcher.
00:15:26: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten für was zu entscheiden.
00:15:30: Das nächste ist, wer sind eigentlich die Leute, die zu so einer Debatte oder Diskussion kommen
00:15:37: würden?
00:15:38: Also wen würden wir selber einladen?
00:15:40: Wer ist wichtig?
00:15:41: Wer kommt sowieso?
00:15:42: So die ganzen Trolle vielleicht auch.
00:15:45: Und wie kann man diese ein bisschen charakterisieren?
00:15:48: Was zeichnet die irgendwie aus?
00:15:50: Wie gehören die zusammen?
00:15:51: Haben die gemeinsame Werte, Merkmale, was auch immer?
00:15:54: Und dann kommt eigentlich so das Kernstück, dann kann ich mir so aussuchen, wofür ich
00:16:02: Raum schaffen will.
00:16:03: Und ich habe da so verschiedene Möglichkeiten gegeben, zum Beispiel Raum für Unterschiede,
00:16:09: Raum für Gemeinsamkeiten, für Lösungen, für Probleme, für Kritik, aber auch für
00:16:16: Kollaborationen, für Argumente und für Gefühle.
00:16:20: Ich kann mir halt mit meiner Redaktion überlegen, wie ich in dieser bestimmten Situation damit
00:16:27: umgehen will und wofür ich Räume schaffen möchte und wofür nicht.
00:16:31: Also vielleicht geht es mir gar nicht um Kollaboration.
00:16:34: Vielleicht möchte ich gar nicht so viel über die Argumente reden, sondern eher so über
00:16:40: die Gefühle in der Diskussion.
00:16:42: Vielleicht ist es umgekehrt.
00:16:43: Ich kann dann halt aussuchen, also mir diese auf dem Tisch legen, diese Karten sind sechseckig,
00:16:48: so ein Feld bauen, was zu dieser Debatte irgendwie gehört.
00:16:52: Ich habe diese Form der sechseckigen Karten deshalb gewählt, weil das so was Organisches
00:16:58: ist, also da sieht man halt das Wächs und man sieht halt auch die Ausbreitung.
00:17:02: Das war mir halt auch wichtig, weil wenn man alle Karten zusammen liegt, wird das Ding
00:17:06: riesig auf dem Tisch.
00:17:08: Und es zeigt halt auch, dass das eine große Aufgabe ist.
00:17:12: Also als nächstes fragen sich halt dann die Teilnehmer in diesem Spiel, wie groß ist eigentlich
00:17:19: diese Aufgabe und können wir überhaupt leisten, welche Ressourcen brauchen wir dafür.
00:17:22: Und dann gibt es halt auch noch so Tipps, was man tun kann.
00:17:26: Das heißt Aktionskarten.
00:17:28: Also wenn ich zum Beispiel Raum für Unterschiede öffnen kann, ich habe hier mal so eine Karte
00:17:33: genommen.
00:17:34: Also wenn man Raum für Unterschiede öffnen will, dann kann man zum Beispiel darauf achten,
00:17:41: dass man sehr deutlich verschiedene Perspektiven einnimmt und diverse Lebenswirklichkeiten
00:17:46: zeigt.
00:17:47: Oder man kann auch fragen, nehmen wir an, Sie sind gezwungen, einen Tag lang das Leben
00:17:53: der anderen Person zu führen.
00:17:55: Was müssen Sie vorher noch von ihm oder ihr wissen?
00:17:58: Also das sind dann so, es gibt entweder Handlungsanwesen für die Debatte oder halt eben Fragen, die
00:18:03: man ganz konkret stellen kann.
00:18:05: Und es sollen eigentlich nur so kleine Hinweise sein, dafür eigene Fragen oder eigene Ideen.
00:18:12: Am Ende gibt es dann noch einen Checkliste.
00:18:14: Dann kann man das alles, was man sich so überlegt hat in dieser Diskussion, halt aufschreiben,
00:18:18: damit man das halt auch mit Ihnen einen Alltag nehmen kann.
00:18:21: Ich finde diesen Aspekt mit, was würden Sie wissen müssen, um diese Person einen Tag
00:18:28: lang darzustellen, ist ja etwas, was auf Rahmenbedingungen hindeutet.
00:18:33: Und es gibt eben verschiedene Rahmenbedingungen für verschiedene Personen.
00:18:37: Also eine Frau in Afghanistan hat andere Rahmenbedingungen als eine Frau im Liban,
00:18:42: Frau in Deutschland. Und wenn ich als Reporterin aus Deutschland berichten möchte über Frauen in
00:18:49: Afghanistan, muss ich mir darüber bewusst sein, welche Rahmenbedingungen sind denn damit
00:18:54: geknüpft? Also nicht nur politisch, sondern auch wertetechnisch. Welche Einstellungen werden
00:18:59: in diesem Land gelebt? Was hat man für eine Vorstellung von Freiheit zum Beispiel? Und das
00:19:07: ist ja etwas, was darauf hinweist und vielleicht ist es ein größerer Türöffner als wenn ich sage,
00:19:13: du, du, du, du musst aber auch auf Rahmenbedingungen achten. Ist das so ein bisschen das, wo du hin
00:19:19: wolltest damit? Ja, also mir geht es vor allen Dingen darum, das einzüben. Also weil ich habe
00:19:25: so eine Haltung von "ich stell mir erstmal Fragen" und "ach, das ist ja interessant, so kann man das
00:19:31: ja auch sehen" mir angeeignet durch halt wie gesagt Design Thinking und Systemisches Coaching. Und
00:19:37: ich glaube aber, dass das halt auch total wichtig ist für die Aus- und Weiterbildung im Journalismus.
00:19:42: Und es passiert halt dadurch, dass man es übt. Dafür ist halt dieses Kartenset eigentlich auch
00:19:48: gedacht. Also dass man überhaupt mal so eine Erfahrung hat von "ach, stimmt, das kann man ja
00:19:53: fragen, das ist ja eine ziemlich interessante Frage". Da habe ich mir aber noch nie Gedanken
00:19:57: drüber gemacht, weil ich immer so auf dieser Sachebene war und gar nicht auf der Ebene,
00:20:02: wie funktioniert eigentlich ein Gespräch und wie sorge ich dafür, dass die andere Person auch
00:20:07: Lust hat, an diesem Gespräch teilzunehmen? Bei uns im Projekt bei Mide4Peace da entwickeln die
00:20:12: Fellows eine Plattform, die sich mit Szenarien auseinandersetzt. Also sich ein bisschen vorzustellen,
00:20:22: wie könnte denn etwas aussehen, wenn dies und jenes eintrifft in einer Debatte? Das ist ja auch
00:20:29: etwas mit Vorstellungskraft, mit Kreativität, aber auch verbunden mit einem Wissenstransfer.
00:20:38: Ist deine Einschätzung zum Thema Journalismus auch, dass man quasi andere Disziplinen damit
00:20:46: reinholen muss? Du hattest jetzt immer wieder Design Thinking und systemisches Coaching
00:20:52: zum Beispiel genannt? Unbedingt. Ich glaube, dass es total viel interessante Dinge an Schnittstellen
00:21:01: gibt, dass im Journalismus das lange so war, dass durch diese gut gemeinte und wichtige Trennung
00:21:09: von Verlag und Redaktion oft ein redaktionelles Silo gab. Ich finde es total schön, dass Leute
00:21:18: sich jetzt immer mal wieder überlegen, na ja, was gibt es denn woanders? Was können wir von
00:21:23: anderen Disziplinen lernen? Weil wir ja auch als Gesellschaft uns ja die ganze Zeit immer
00:21:27: noch fortbewegen. Deshalb finde ich das total spannend. Also gerade auch diese Zukunftssicht
00:21:34: auf Szenarien. Die Frage, was wäre wenn, ist halt eine total mächtige Frage, glaube ich.
00:21:42: Weshalb ist das eine mächtige Frage? Ich bin jetzt so gut, denk zum Beispiel in Afghanistan und
00:21:49: denke mir, was wäre wenn die Taliban jetzt nicht die Macht übernommen hätten? Oder was wäre wenn
00:21:55: im Libanon keine Finanzkrise wäre? Oder was wäre wenn die Queen doch noch leben würde,
00:22:02: ohne auf dieses Beispiel drauf einzugehen? Was macht es dann mit dem Storytelling und den
00:22:08: Narrativen? Na ja, es macht halt Möglichkeiten, Räume auf. Man kann sich halt von allen Seiten
00:22:15: angucken, diese Hindernisse oder Beschränkungen, ob die wirklich da sind ja oder nein und ob
00:22:21: man sie irgendwie umgehen kann. Ich habe irgendwo in diesem Karten-Set bei mir halt auch diese ziemlich
00:22:28: berühmte Wunderfrage aus dem Coaching, die inzwischen schon echt richtig, richtig viele
00:22:34: Leute kennen, die aber trotzdem ziemlich gut ist und die geht halt so, stell dir vor, dein Problem
00:22:38: ist gelöst und du warst morgens auf und es ist einfach weg. Woran merkst du, dass sich was geändert
00:22:44: hat? Und das ist ja so eine Fortführung von diesem, was wäre wenn und das macht aber so viele
00:22:51: Möglichkeiten und Chancen auf, auch für das Thema Selbstwirksamkeit. Also auch zu gucken,
00:22:56: na ja, was daran kann ich denn ändern? Natürlich kann ich jetzt irgendwie alleine als Einzelperson
00:23:01: nicht die Finanzkrise im Lieberneunen lösen oder ich kann auch alleine nicht dafür sorgen,
00:23:07: dass Frauen in Afghanistan mehr, also ein besseres Leben haben. Aber ich kann mich halt fragen,
00:23:16: wie sehe das denn aus? Und dann habe ich halt irgendwie vielleicht so was wie Hoffnung und gebe
00:23:23: mich nicht so schnell zufrieden mit ausweglosen Situationen. Entsteht dadurch auch wie eine
00:23:30: Kompassnadel, eine Richtungsanzeige, wo ich hingehen möchte? Ja, 100 Prozent. Journalism Space,
00:23:36: es gibt es jetzt ungefähr ein halbes Jahr. Wie ist dein Erfahrungswert damit mit Journalisten,
00:23:43: Journalistinnen und Redaktionen? Ist es etwas, was sehr offen aufgenommen wird? Ist es etwas,
00:23:48: was in der Erklärungsbedürftig ist? Das ist durchwachsen. Also ich habe das Gefühl,
00:23:53: dass einerseits das Interesse groß ist. Das sieht man daran, dass es ziemlich viele Leute auch bei
00:23:57: euch auf der Webseite rundhergeladen haben und auch mich wirklich viele Leute darauf angesprochen
00:24:03: haben. Ich habe aber das Gefühl, also ich habe das auch schon mit Redaktionen getestet und da war
00:24:08: das Ergebnis halt auch, das ist ja irgendwie interessant. Ich glaube ein Haken ist so ein
00:24:15: bisschen, dass viele Redaktionen so in ihrem täglichen, ich muss Artikel produzieren oder
00:24:22: Filme oder Radiobeträge oder irgendwas, dass die so darin gefangen sind, dass die sagen,
00:24:28: ich muss mich jetzt anderthalb Stunden dann damit irgendwo hinsetzen mit meinem Team oder alleine
00:24:32: oder eine Stunde Minimum. Dafür haben wir keine Zeit. Das ist so ein bisschen schade. Kann ich aber
00:24:40: verstehen und das ist glaube ich ein Ausdruck für viele Probleme, die wir vielleicht gerade haben
00:24:46: im Journalismus, nämlich dass man, wenn es darum geht, sich mit sich selber mal zu beschäftigen und
00:24:52: zu reflektieren und zu gucken, wo wollen wir hin? Was wollen wir eigentlich auch ändern? Dass dafür
00:24:57: oft keine Zeit ist. Also ich nehme so aus diesem Gespräch mit, dass sowohl Krisenjournalismus,
00:25:05: ob jetzt in Kriegsgebieten, nach Kriegsgebieten oder anderen Krisen, zum Beispiel wie wir jetzt
00:25:13: gerade die Polarisierung haben, wenn ich das nochmal aufnehme, als auch im Journalismus
00:25:18: generell neue Wege gefunden werden können. Das sind schon Mittel da. Man, das noch in sein
00:25:26: Alltag allerdings integrieren muss, lernen muss, das zu integrieren oder lernen sollte. Ich möchte
00:25:33: hier kein Muss-Satz formulieren sollte. Ja, aber ich glaube, ich würde sogar auch ein Muss-Satz
00:25:39: formulieren, weil der Anpassungskurrdruck oder Veränderungsdruck im Journalismus ist ja schon
00:25:45: hoch. Also in den Spüren ja auch alle. Also alle mit denen ich so zu tun habe, haben so das Gefühl,
00:25:51: oh, irgendwie mit den Abos. Das ist schon wichtig, dass wir nicht die komplette Leserschaft irgendwie
00:25:58: verlieren, halt auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk machen sich super viele Leute Gedanken darüber,
00:26:04: wie man bestimmte Zielgruppen erreicht, die man vielleicht gerade noch nicht erreicht und so.
00:26:11: Und darum glaube ich schon, dass ich Journalismus verändern muss. Wenn wir als Journalistinnen und
00:26:18: Journalisten diese Welt beobachten und diese Veränderungen in der Gesellschaft, dann müssen
00:26:24: wir uns halt auch mit verändern. Vielen Dank, Barbara, dass du uns ein bisschen geholfen hast,
00:26:29: empathischer zu denken. Danke dir, es hat total Spaß gemacht. Und wenn irgendjemand zuhört und
00:26:37: sagt, oh, das finde ich aber interessant, ich teste das immer noch mit Redaktionen. Also meldet
00:26:41: euch gerne. Ich verlinke das Spiel in den Show Notes auf jeden Fall, dass man da drauf gehen kann.
00:26:47: Vielen Dank, Barbara, für den Austausch. Was ziemlich klar ist, Empathie ist wenig pathetisch,
00:26:57: sondern kann den Journalismus tatsächlich voranbringen. Wie das konkret gelingt, erzählt
00:27:03: uns Laura. Sie ist freie Journalistin aus Kolumbien, aktuell ist sie in Barcelona und sie arbeitet
00:27:10: an What If mit. Das ist eine Plattform, die Dialog und Zukunftsszenarien als eine Form im Journalismus
00:27:17: verbindet.
00:27:18: Das Media for Peace Update.
00:27:21: Hallo Laura, willkommen zu der Podcast.
00:27:25: Hi, Sabrina, danke so much for having me again here.
00:27:29: You are a Journalist. What is the importance of empathy in your journalistic work so far?
00:27:35: Yes, yes. I believe in empathy. It is everything in journalism. You know that by definition, empathy
00:27:43: is the ability to understand other people's feelings and emotions, when they are having a good
00:27:47: time or when they are having a bad time. And that is related to the exercise of listening
00:27:52: and being able to replicate what the other feels. And for me, that is what journalism is all
00:27:58: about. I think that empathy helps you to develop certain skills when practicing journalism.
00:28:04: For example, you learn to be an active listener. You don't just hear what people say, you focus
00:28:11: on what the other person is saying, analyze what the person feels the way they do. So that's
00:28:17: really, really important in our job. Also you don't believe that everything is black
00:28:21: and white when you develop the empathy, right? With empathy you understand that there is a
00:28:26: nice range of grace in between, no? And as a journalist you try to show this grace for
00:28:32: the society. And for example, in the case of the conflict that we are also now touching
00:28:38: the topic of the conflict, because this is what it is about. When a conflict arises,
00:28:44: you don't take a position easily, right? As a journalist you try to look for intermediate
00:28:49: answers and report on the different perspectives of the conflict. Also with empathy you try
00:28:55: to respect the decisions of others, even if you don't like them. And sometimes it is very
00:29:01: difficult as a journalist, but it helps you to try to deal with that. Also I think empathy
00:29:10: helps you to remember that your job is to tell what is happening and not to judge it.
00:29:15: And that's really, really important. Also I was thinking how important it is when we
00:29:23: develop empathy, how it helps you to notice the verbal and not verbal language, pay attention
00:29:31: to the gestures, looks, you know, and tones of the voice. And that's important for journalists
00:29:37: when we are reporting about something. And the last one I will say, empathy can help you
00:29:44: to understand that everyone has different needs and that we are all different. And you have
00:29:50: to treat each person according to the circumstances. So I think that's why it's so important for us
00:29:58: as a journalist. You also part of the Media for Peace Project called What If. You bring together
00:30:06: people at the table, let's say a digital table, if you do it via Zoom or some other software.
00:30:12: At this table people discuss different topics and they also design a kind of symbol or an
00:30:20: artifact or a picture. What role does empathy play in the workshops of your project? What
00:30:26: is? I mean, in fact, empathy is the value that we try to bring to the table the most.
00:30:33: Because as you said before, we bring people from different backgrounds, different ways
00:30:37: of thinking and different origins. And we put them together to create a future and a future
00:30:43: that includes solutions to common and foreign problems. And for that you have to think about
00:30:48: how it impacts on each other. So you know how difficult it is, right? So we all think
00:30:54: different and we are different and have different interests. So yeah, for us it's really crucial
00:30:59: to put into the table the empathy. And also as we also promote dialogue, empathy becomes
00:31:07: like an indispensable element because it can promote respect and even develop compassion.
00:31:13: That's something that for us is really important. Compassion has the ability to feel the pain of the
00:31:19: older and do something about it. We know that the issues that we deal in conflict regions are
00:31:26: very hard, very difficult to deal with. So we try to highlight the empathy as a vehicle that can
00:31:32: help us to have constructive conversations, make participants feel better, solve problems
00:31:39: and try to connect better with the other people to be fair and not to judge others. So we hope
00:31:46: that there will be good ideas, but also that the journalists who participate, you know, that we
00:31:52: always invite to the table a journalist as a participant, also will be contagious by this
00:31:58: and learn more about the life story solutions and our goal in the end is amplify them. So yeah,
00:32:06: it's everything almost. When you do all that stuff, how do you recognize empathy? I believe that
00:32:13: with the elements I mentioned before, or at least in what if, I mean, in the case of what if,
00:32:19: I see it, for example, when people listen to each other, when they make gestures, like nodding
00:32:25: or smiling or being saddened by what the other is saying during the conversation. Also, you know,
00:32:32: when people are super active and involved in the conversation, because it means that the topic
00:32:38: matters to them and what the other is saying matters to you, right? Also, when they think about
00:32:45: creating a prototype for everyone, you know, that in the dialogue one of our goals is having
00:32:51: an tangible outcome and it's related to the future that we think together during the dialogue. So
00:32:58: for me, you know, like in the dialogues we create a fictional outcome that it has to touch
00:33:04: everyone there. So I think that's a crucial or how do you say, like a tangible signal of empathy,
00:33:14: because we agree on something. Also when journalists that are invited create a story that
00:33:21: moves them because they believe it's important for the audiences, you can see the empathy there.
00:33:26: There are many ways of looking at the empathy and some people have more developed it than others,
00:33:32: but I think most of the humans have it and express it now. There's always a positive side
00:33:38: and a negative side of things. Where do you see the advantages and also the disadvantages when it
00:33:45: comes to empathic work in journalism? On the plus side, I see it when the journalist is able to
00:33:54: empathize with the story. I can like greatly express to the audiences what the protagonist of
00:34:01: the stories that they are covering have experienced. I don't know if you think the same, but for me
00:34:06: it's very obvious when you see the story, like empathetic story from an empathetic content,
00:34:15: like from the descriptions, the quote of the interviewers, the good writing and as a journalist
00:34:21: when a story touches your heart, like you can see it. It's very obvious. On the other hand,
00:34:28: I also believe that in the technique journalists have a better chance of getting better stories and
00:34:33: this is a personal opinion, but because they have a very good relationship with their sources,
00:34:39: because they understand the sources, they really listen carefully. So the sources trust them and
00:34:46: that gives them access to valuable information. That for me are like the advantages. On the side
00:34:56: of the disadvantages and this happened to me a lot when I was practicing journalism. Now I'm in
00:35:03: the fellowship, but before I found it very difficult to separate myself from the suffering of
00:35:08: the experience of others. I really felt the suffering and sometimes it was very difficult to
00:35:16: run away from it. As a journalist, we tell the stories and we try to develop some follow-ups
00:35:24: stories, but sometimes you want to do more and you have to understand that that's not your job.
00:35:30: If you want to do it, I mean great, but then it's not journalism. Another thing in the back of
00:35:39: the disadvantage, I would say like sometimes the emotions overwhelm you. You can sometimes
00:35:46: get overwhelmed, like burn out or even overstimulated from always thinking about others
00:35:52: people's emotions. Maybe this can lead to the empathie fatigue. You feel powerless,
00:36:01: sometimes you try to isolate yourself because you are not feeling very well. Even if you feel
00:36:06: physically sick. I would say that. That's why I think I have to be very careful. We all journalists
00:36:13: have to be very careful because it's wonderful to feel, but also to let it go. Other people's
00:36:19: emotions and the situations that maybe are also affecting you. Thank you so much,
00:36:25: share your thoughts with us. All the best, talk to you soon. No, thank you so much,
00:36:29: Lorena, for the interview. Gerade bei sensiblen Themen kann Empathie also dazu führen, dass Menschen
00:36:39: für andere Aspekte bei einem Thema offen werden, weil sie sich gesehen fühlen. Wie das By-What-If
00:36:45: alles weitergeht. Das hört ihr in den kommenden Folgen. Für heute sage ich Tschüss und bis zum
00:36:51: nächsten Mal. Am besten diesem Podcast direkt folgen und keine Episode mehr verpassen. Bis bald.
00:36:57: Media for Peace, der Podcast für friedensorientierten Journalismus. Eine Produktion des Media Lab Bayern.
00:37:07: Media for Peace ist eine Kooperation mit dem DTEC BW, Zentrum für Digitalisierungs- und
00:37:13: Technologieforschung der Bundeswehr und der Universität der Bundeswehr München.
00:37:17: [Musik]
00:37:20: [Musik]
00:37:22: [Stille]
00:37:23: Ihr seid hier, da oben.
Neuer Kommentar