Media for Peace #7 Qualität in der Medienberichterstattung
Shownotes
Wie wird Qualität in den Medien definiert und welchen Effekt hat die Qualität in der Berichterstattung? Dieser Fragen gehen wir in dieser Folge auf den Grund.
“Als ich die Berichterstattung der Ukraine gesehen habe, da habe ich geweint …” Dr. Susanne Glass ist Head Foreign Report & Political Background (BR - Bayerischer Rundfunk). Zuvor war sie 23 Jahre als Auslandskorrespondentin im Nahen Osten.
“In Afghanistan sind viele Nachrichten Propaganda” Shafi Karimi lebt in Paris, und floh vor 2 Jahren aus Afghanistan. Der Journalist berichtet für verschiedenen Medien. Shownotes
00:01 Begrüßung
01:30 Interview Susanne Glass
03:00 Als weiblicher Korrespondent im Kosovokrieg
07:03 Qualität in der Berichterstattung ist kein Opferjournalismus
13:05 Persönliche Verifizierung ist unerlässlich
15:15 Friedensfördernde Ansätze im Krisen- und Kriegsgebiet
21:00:Interview Shafi Karimi
22:30 Medien in Afghanistan publizieren (zu) schnell
25:00 Eine Plattform mit vielen Informationen, bevor Journalist:innen in das Land gehen
27:30 Die Taliban nutzen viel Social Media
32:00 Arbeiten als Exil-Journalist
Meet Media for Peace in Perugia/ Italien: https://www.eventbrite.de/e/media-for-peace-project-pitch-event-tickets-591438477407
Weitere Informationen zu Media for Peace findest du auf https://www.media-lab.de/de/media-for-peace
Das ist Media for Peace. Der Podcast auf den Spuren des peace-oriented Journalismus. Eine Kooperation mit der Universität der Bundeswehr München und von DTEC.BW – Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr.
Transkript anzeigen
00:00:00: (Dynamische Musik)
00:00:01: Journalismus der Frieden ermöglicht.
00:00:05: Das ist "Media for Peace",
00:00:09: ein Podcast des Media Lab Bayern.
00:00:12: Bonjour, je ne. - Ich bin Sabrina Harper.
00:00:15: Dass ich euch heute auf Italienisch begrüße, hat einen Grund.
00:00:18: Dazu später mehr.
00:00:19: Erst mal das Thema heute, da geht's um etwas,
00:00:22: das ihr bestimmt kennt, und zwar eine alte Journalismusregel,
00:00:25: die besagt, man soll mindestens zwei Quellen haben,
00:00:28: die man in der Form an publiziert.
00:00:30: Heutzutage ist das mit den Bildrechten auch noch ein wichtiges Thema.
00:00:34: Die KI erstellt inzwischen alles.
00:00:36: Ergo, Qualität im Journalismus, bedeutet für mich aus meiner Sicht,
00:00:40: dass man eine valide Arbeit abgeben muss.
00:00:43: Früher gab's eher so oberflächliche Berichte auf der einen Seite,
00:00:46: und auf der anderen Seite Deep Dives mit höherer Qualität.
00:00:49: Heutzutage ist das alles ganz anders.
00:00:52: Es gibt irgendwie gar keine Qualität, weil einfach alles erfunden ist
00:00:56: und ein passendes künstliches Bild dazu gesetzt wird.
00:00:58: Und dann gibt es Publikation mit immens hoher Qualität.
00:01:02: Und dazwischen gibt's noch eine ganze Menge.
00:01:04: Wer nicht im Mediengame ist, kann das wohl gar nicht mehr unterscheiden.
00:01:08: Obendrauf wird das noch schwieriger,
00:01:10: wenn es um Berichterstattungen in Krisen und Kriegsgebieten geht.
00:01:14: Dann ist das alles nochmals viel präsenter.
00:01:16: Deshalb hab ich mich mit Susanne Glas getroffen.
00:01:19: Sie ist beim BR-Dedaktionsleiterin für den Bereich
00:01:22: Ausland und politischer Hintergrund.
00:01:24: Also sie war über 20 Jahre Auslandskorrespondentin,
00:01:27: unter anderem im Nahen Osten.
00:01:29: Media for Peace. Insights.
00:01:32: Guten Tag, Frau Glas. Vielen Dank für Ihre Zeit.
00:01:35: Gerne, Frau Habrich, freue mich.
00:01:37: Als ich Sie für ein Interview für Media for Peace angefragt hab,
00:01:41: da schreiben Sie mir, das sei Ihnen eine Herzensangelegenheit.
00:01:45: Weshalb denn das?
00:01:46: Weil ich der Meinung bin,
00:01:48: dass Krisen- und Kriegsberichterstattung extrem wichtig ist,
00:01:53: dass man sich aber sehr wohl bewusst machen muss,
00:01:57: wie gefährlich dieses Gebiet auch ist.
00:02:00: Gerade heutzutage mit Fake-News,
00:02:02: mit manipulierten Videos und Nachrichten.
00:02:05: Ich hatte das für eine der Königsdisziplinen im Journalismus,
00:02:10: und deshalb spreche ich auch gerne darüber
00:02:13: und versuche auch, das Bewusstsein dafür zu schärfen.
00:02:16: Sie waren lange Zeit Auslandskorrespondentin
00:02:19: für die öffentlich-rechtlichen als erstes once in Wien
00:02:22: und dann waren sie im Nahen Osten.
00:02:24: Wie war das damals für Sie?
00:02:26: Als Journalistin, als Sie Ihr Arbeitsumfeld quasi geografisch
00:02:29: einmal auf links gedreht haben,
00:02:31: das war wahrscheinlich kulturell auch eine ziemliche Veränderung
00:02:35: für Sie, aber auch so vom Arbeitsumfeld.
00:02:37: Naja, ich war tatsächlich ja in den Nachrichten
00:02:40: des Bayerischen Rundfunks und habe, und ich erinnere mich noch,
00:02:44: das war, denke ich, am 24. März 1999
00:02:49: und ich habe damals in den Nachrichten verlesen,
00:02:52: dass der Kosovo Krieg begonnen hat.
00:02:55: Und ich fand das damals schon eine sehr, sehr erschreckende Meldung.
00:03:01: Ich habe zuvor auch im Studium schon sehr viel über den Bosnienkrieg gehört,
00:03:05: und plötzlich habe ich dann verlesen, dass dieser Krieg begonnen hat.
00:03:09: Und ein paar Wochen später hat mein Sender jemand gesucht,
00:03:12: der aus dem Kosovo oder zumindest aus dem Umfeld des Kosovoes
00:03:16: über diesen Krieg berichtet.
00:03:18: Ich bin 29 Jahre alt und eine Frau.
00:03:21: Und das war sehr ungewöhnlich, dass eine junge Frau damals
00:03:24: im Krisenkriegsbericht der Stadt ummacht.
00:03:26: Das waren ja, wenn Sie sich erinnern, oder wenn Sie es nachlesen,
00:03:30: Sie sind wahrscheinlich noch zu jung,
00:03:31: hauptsächlich die etwas älteren Hörer, die da berichtet haben.
00:03:35: Aber es fand sich keiner.
00:03:37: Und ich habe mich dann angeboten hinzugehen
00:03:39: und dann sagte erst, mein Chef, was eine junge Frau dir kann,
00:03:42: da ist so viel passieren.
00:03:43: Ich habe dann zu ihm gesagt, ja, das stimmt,
00:03:46: mir kann viel passieren, den Männern kann aber auch viel passieren.
00:03:49: Und wenn Sie der Meinung sind, dass eine Frau da nicht berichten kann,
00:03:53: nur wegen ihres Geschlechts, dann bin ich ja wahrscheinlich falsch,
00:03:56: weil ich kann jederzeit noch dazulernen, fachlich,
00:03:59: aber mein Geschlecht kann ich nicht ändern.
00:04:01: Und dann hat er nachgedacht und hat mich also tatsächlich
00:04:04: dahin geschickt.
00:04:05: Und dann war ich erst mal ein paar Wochen, sogar bis zu,
00:04:09: ich denke, zwei Monate in Mazedonien,
00:04:12: weil wir nicht ins Kosovo reinkommen
00:04:14: und da habe ich aus Mazedonien unmittelbar über diesen Krieg berichtet.
00:04:18: Und das war für mich schon eine lebensumkrempelnde Erfahrung,
00:04:22: weil wir damals ja auch noch keine Social Media hatten,
00:04:26: wir hatten nur ein Satelliten-Telefon.
00:04:28: Also man konnte damals tatsächlich nur über das berichten,
00:04:32: was man mit eigenen Augen gesehen hat, verifizieren konnte.
00:04:36: Es gab viel längere Pausen auch,
00:04:38: weil oft stundenlang einfach keine Verbindung wirklich war.
00:04:42: Und das hat sich ja in den letzten Jahren seit 1999/2000
00:04:47: massiv verändert, weil wir jetzt mit einer Bilderflut
00:04:50: und mit einer Nachrichtenflut zu kämpfen haben,
00:04:52: die dann aber wiederum die Verifizierung schwach macht.
00:04:55: Jetzt haben Sie ganz viele Punkte angesprochen,
00:04:58: wo ich noch mal nachhaken muss.
00:05:00: Zum einen das Mann-Frau-Thema.
00:05:01: Ist es denn heute anders?
00:05:03: Ist es denn so, dass man doch auf andere Dinge achten muss?
00:05:06: Oder keine Ahnung, wenn man dann nach Interviews sucht
00:05:09: oder nach Ansprechpartnern,
00:05:10: die man irgendwie schwieriger bekommt?
00:05:12: Also quasi, ob man so eine unbewusste,
00:05:15: strukturelle Diskriminierung immer noch hat?
00:05:17: Ich denke, es hat sich extrem verbessert, auf jeden Fall.
00:05:21: Also es ist heutzutage kein großes Thema mehr,
00:05:24: dass auch junge Frauen vor Ort sind.
00:05:27: Allerdings warne ich davor, sich einzubilden,
00:05:30: dass wir mittlerweile vollkommen gleichberechtigt sind.
00:05:33: Also ich denke, das ist nach wie vor ein langer Weg.
00:05:36: Was ich immer sage, ist, wenn Sie vor Ort sind,
00:05:39: natürlich stellt Ihr gegenüber in Sekunden schnelle fest,
00:05:44: das ist eine junge Frau, das ist vielleicht ein Mann,
00:05:48: das ist möglicherweise eine queere Person.
00:05:51: Wir alle registrieren das
00:05:53: und wir haben alle aufgrund dieser Dinge,
00:05:57: die man eben bei uns feststellt, vor und Nachteile.
00:06:00: Ich habe als junge Frau sicherlich damals immer wieder den Nachteil gehabt,
00:06:04: dass manche mich nicht so für ganz ernst genommen haben.
00:06:08: Es kann aber auch ganz gut sein, wenn man unterschätzt wird,
00:06:11: gerade in Interviews, wenn man damit irgendeiner heißen Frage
00:06:14: um die Ecke biegt, die der andere so gar nicht erwartet hat,
00:06:17: da kann man mal viel mehr erfahren.
00:06:20: Ich hatte als junge Frau oft auch bessere Zugänge
00:06:23: eben zu weiblichen Protagonistinnen.
00:06:26: Und ich fand es immer ganz gut,
00:06:28: gerade in Krisen- und Kriegsgebieten ist ja Teambildung das A und O.
00:06:33: Wir sind als Einzelkämpferinnen bei Walter nicht so gut wie im Team.
00:06:38: Wenn man dann die Teams einfach gemischt zusammenstellt.
00:06:41: Ich habe damals in Kosovo sehr viel gemeinsam gearbeitet
00:06:44: mit einem Kollegen von El País, Jose Comas,
00:06:47: der mittlerweile leider verstorben ist.
00:06:49: Ich fand das ein ideales Team.
00:06:51: Also wir haben Vorteile, wir haben Nachteile.
00:06:54: Und ich denke unter dem Strich, wenn man sich dessen bewusst ist,
00:06:57: gleicht es sich aus.
00:06:59: In der Zwischenzeit sind Sie jetzt wieder hier in München
00:07:02: und sind unter anderem mitverantwortlich
00:07:04: für eine Redaktion im bayerischen Rundfunk.
00:07:07: Da hat man auch einen gewissen Qualitätsanspruch.
00:07:09: Und ich denke, dass sich der Qualitätsanspruch im Krisengebiet
00:07:13: quasi in dem Moment ist ein anderer.
00:07:15: Natürlich gibt es auch die Frage der Verifizierung etc.,
00:07:18: aber es ist doch was anderes, als wenn man in München im bayer Gebäude steht
00:07:23: und nochmal einen ganz anderen Blick auf Qualität werfen kann.
00:07:27: Vielleicht als erstes, wo sehen Sie denn da die Unterschiede,
00:07:30: was Qualität in der Berichterstattung angeht?
00:07:33: Also ganz prinzipiell denke ich, wir müssen uns immer vor Augen halten,
00:07:36: dass wir verantwortlich sind für das Image eines Landes.
00:07:41: Das darf man nicht auf die leichte Schultern nehmen.
00:07:44: Gerade in Krisenkriegsberichterstattungssituationen
00:07:47: neigen viele dazu, relativ klar sich auf die Seite
00:07:50: der vermeintlichen Opfer zu stellen.
00:07:53: Und ich sage immer, auch wenn wir eine Haltung dazu haben
00:07:57: und wenn für uns relativ klar ist, wer das Opfer ist,
00:08:01: wer die Täter sind, wir sollten gerade auf die Opferseite
00:08:04: immer wieder hinterfragen.
00:08:06: Auch hier wird manipuliert, auch hier gibt es deutlich viele Fake News.
00:08:11: Und das sind wir einfach den Zuschauern und Zuschauerinnen und Hörern
00:08:14: schuldig, dass wir alles verifizieren und nicht ganz klar sagen,
00:08:18: hier die Opfer, hier die Täter, es gibt ohnehin nie Schwarz-Weiß.
00:08:21: Und was ich auch gut finde, Sie sagen jetzt,
00:08:23: ich bin auf der einen Seite jetzt im Studio verantwortlich,
00:08:26: war 23 Jahre draußen im Feld.
00:08:29: Es ist immer gut, wenn diejenigen, die im Feld sind,
00:08:32: die aus der Situation heraus berichten,
00:08:34: noch eine Redakteurin, Redakteurin, Studio haben,
00:08:37: die noch mal sagen, jetzt gehen wir noch mal in uns,
00:08:40: jetzt atmen wir noch mal durch und schauen uns das noch mal an.
00:08:43: Und natürlich sind mittlerweile so viele, fast perfekt,
00:08:48: manipulierte Bilder unterwegs,
00:08:50: dass wir im Studio eine ganz andere Möglichkeit haben,
00:08:53: noch mal mit Erkennungssoftware drüber zu gehen,
00:08:55: noch mal mit einem ruhigen Blick drüber zu gehen,
00:08:58: zu sagen, kann dieses Bild so stimmen,
00:09:00: kann diese Information so stimmen.
00:09:02: Und wir sind dann auch, denke ich, nicht in der Pflicht,
00:09:08: immer so zu tun, als wüssten wir die ganz genaue Wahrheit,
00:09:12: sondern wir sind in der Pflicht auch dann aufzuzeigen,
00:09:16: wenn wir sagen, so sieht es im Moment aus,
00:09:18: aber hier sind die Lücken und hier sind offene Stellen,
00:09:22: weil unsere Zuschauerinnen sind auch viel intelligenter,
00:09:26: als wir manchmal denken, die können durchaus damit umgehen,
00:09:29: wenn wir ihnen sagen, das können wir nicht verifizieren.
00:09:33: Es gibt einfach auch kein Schwarz-Weiß in keiner Situation,
00:09:37: es gibt auch auch schon die Zutättern werden und umgekehrt.
00:09:40: Innerhalb dieses Podcast spreche ich eben auch immer wieder
00:09:43: den Fellows, nenn ich sie, das sind die Leute,
00:09:46: die bei uns im Förderprogramm Prototypen entwickeln
00:09:49: und eben das durchlaufen.
00:09:51: Und die sind aus im Libanon, aus Afghanistan, unter anderem.
00:09:55: Was die mir eben erzählen in ihrer journalistischen Ausbildung,
00:09:58: wenn es überhaupt so eine gab,
00:10:00: dann ist das Thema Verifizierung immer wieder ein großes Thema
00:10:03: und das zum Beispiel dort in der Ausbildung,
00:10:06: das gar nicht unterrichtet wird, ein Bild zu verifizieren
00:10:09: oder dass sehr viel über Social Media läuft
00:10:11: und es geht sehr, sehr schnell
00:10:13: und dann wird eben eher wieder zurückgerodert.
00:10:15: Vielleicht wissen Sie das, haben Sie da einen Blick gehabt,
00:10:18: ein Clash, wenn quasi so eine deutsche Journalistenausbildung,
00:10:23: wie Sie sie durchlaufen haben
00:10:24: und eine Ausbildung, wie zum Beispiel jetzt ein Fellow mehr erzählt,
00:10:28: in Afghanistan oder Libanon aufeinander treffen?
00:10:31: Ja, ich meine, da geht es natürlich auch immer um Geld.
00:10:34: Machen wir uns nichts vor.
00:10:36: Wenn Sie das Privileg haben, und das habe ich in diesem Fall,
00:10:39: dass Sie festangestellt sind,
00:10:41: dass Sie sich es auch mal erlauben können zu sagen,
00:10:43: die Geschichte mache ich nicht, weil diese Geschichte
00:10:46: erscheint mir nicht angemessen, nicht adäquat,
00:10:50: dann ist das ein Luxus,
00:10:52: den viele freie Journalistinnen und Journalisten nicht haben.
00:10:55: Sie müssen schauen, dass Sie mit Ihren Geschichten
00:10:58: so viel wie möglich Medien erreichen,
00:11:01: um einfach den Unterhalt für sich und Ihre Familie bezahlen zu können.
00:11:05: Und da sehe ich schon ein großes Problem.
00:11:08: Ich sehe auch ein Problem darin, dass wir immer schneller sein sollen.
00:11:12: Als ich angefangen habe, da hieß es,
00:11:14: wenn es nicht drei voneinander unabhängige Quellen gibt,
00:11:17: die eine Nachricht bestätigen, gehen wir damit nicht raus.
00:11:20: Irgendwann wurden es mal zwei unabhängige Quellen
00:11:23: und jetzt gehen ganz viele so schnell wie möglich raus,
00:11:26: weil sie dann ihren Eindruck haben,
00:11:28: dass sie dann eben noch die Chance haben,
00:11:30: als freie Journalistinnen und Journalisten einen Skup zu landen.
00:11:36: Das ist ein ganz, ganz großes Problem.
00:11:39: Nichtsdestotrotz, ich sage immer,
00:11:41: mittel- und langfristig werden diejenigen gewinnen,
00:11:44: die auch mal auf eine vermeintlich sensationell,
00:11:47: gute, schnelle Geschichte verzichten,
00:11:49: aber sich dann den Ruf aufgebaut haben,
00:11:52: dass das, was von ihnen kommt, wirklich gut recherchiert ist.
00:11:55: Aber ich weiß, dass ich da aus einer sehr luxuriösen Position
00:12:01: heraus spreche.
00:12:02: Ich erzähle Ihnen trotzdem mal,
00:12:04: ich war damals in Belgrad als Milošević,
00:12:09: zunächst gestürzt wurde der serbische Diktator
00:12:12: und dann ausgeliefert werden sollte nach den Haag.
00:12:15: Und ich hatte gerade ein Hörfunk-Life nach dem anderen
00:12:21: als Fernseh-Kollegen schon verkündet haben.
00:12:23: Milošević ist auf dem Weg nach den Haag.
00:12:26: Und dann war ich unter immensem Druck,
00:12:29: weil jeder Moderator mich gefragt hat, so eine Glas,
00:12:32: wir haben gehört, Milošević ist auf dem Weg nach den Haag.
00:12:35: Was wissen Sie dazu?
00:12:36: Und ich habe eisern, obwohl ich, mir wurde es heiß und kalt,
00:12:40: ich habe eisern gesagt, ich kann das nicht bestätigen.
00:12:43: Ich habe die Gerüchte gehört, ich kann das nicht bestätigen.
00:12:46: Und ganz viele haben mich dann verabschiedet und gesagt,
00:12:49: ja, sehr schade, dass Sie das nicht wissen,
00:12:51: dass die Fernseh-Kollegen doch schon längst haben.
00:12:54: Letztlich hat sich es als falsch herausgestellt.
00:12:57: Und ich war wirklich überglücklich,
00:13:00: dass ich nichts bestätigt habe, was ich nicht selber wusste.
00:13:05: Ich finde das ganz, ganz wichtig.
00:13:07: Und was jetzt Verifizierung betrifft, ist mir auch noch sehr aufgefallen.
00:13:11: Diese neuen Methoden, die es gibt,
00:13:14: die verlocken natürlich dazu,
00:13:16: dass ich jetzt nicht mehr persönlich irgendwo hinfahre,
00:13:19: sondern dass ich dann halt via Skype-Teams
00:13:22: oder virtuell mit den Leuten spreche oder sogar nur E-Mails schreibe.
00:13:27: Aber das ersetzt nicht das persönliche Gespräch,
00:13:30: das ersetzt nicht das Vorortsein.
00:13:34: Es gab dann auch mal einen Soldaten, der in Srebrenica dabei war,
00:13:39: ein niederländischer Soldat, der war hinterher schwerst traumatisiert.
00:13:43: Srebrenica, das schlimmste Massaker mit 8.000 toten bosnischen Jungen
00:13:50: und Männern, schlimmste Massaker seit dem Zweiten Weltkrieg.
00:13:55: Da waren die Niederländer vor Ort.
00:13:57: Als Blauhelme sollten die Menschen schützen, was ihnen nicht gelungen ist.
00:14:01: Es gibt viele traumatisierte niederländische Soldaten.
00:14:04: Und einer von denen, der wollte was Gutes tun,
00:14:06: ging zurück nach Bosnien und wollte da den Menschen helfen.
00:14:10: Er war in allen Medien, Spiegel online, Welt online, überall war er.
00:14:14: Und ich wollte diesen Menschen auch kennenlernen.
00:14:17: Und er hat immer nur gesagt, wir können telefonieren.
00:14:20: Ich erzähl Ihnen, was ich da mache.
00:14:22: Ich war, glaube, einer der wenigen, die da hingefahren ist
00:14:25: und festgestellt hat, dass alle Geschichten über ihn nicht gestimmt haben.
00:14:29: Weil der Mann war so traumatisiert,
00:14:31: dass er in den E-Mails oder auch am Telefon gesagt hat,
00:14:33: er hat ein Hotel, wo er Bosniaken beschäftigt.
00:14:36: Irgendwo anders hatte er einen Öko-Bauernhof,
00:14:39: wo er Bosniaken beschäftigt.
00:14:41: Letztlich saß er da auf dem grünen Feld mit seiner Familie,
00:14:44: hat gar nichts auf die Reihe gekriegt.
00:14:47: Und die Bosnia, mit denen ich geredet hab,
00:14:49: die haben gesagt, wir brauchen doch nicht auch noch die traumatisierten Niederländer.
00:14:53: Wir haben selbst genug traumatisierte Menschen.
00:14:55: Aber da ist mir einfach auch wieder bewusst geworden,
00:14:58: wenn man nicht persönlich vor Ort ist und mit den Leuten spricht,
00:15:01: man kann auf so viele Falschinformationen reinfallen.
00:15:04: Aber auch hier sind wir wieder bei der luxuriösen Situation.
00:15:07: Wir haben ein Kostet Geld, Dienstreisen kosten Geld.
00:15:10: Und wir haben leider alle immer weniger.
00:15:13: Ja, das sind große Herausforderungen im Journalismus.
00:15:16: Zum einen das Spanen und zum anderen die Qualität.
00:15:19: Das steht in einer Diskrepanz.
00:15:21: Wir haben das Media for Peace-Projekt.
00:15:23: Und da geht es eben darum,
00:15:25: auch einen friedensfördernden Journalismus noch voranzustellen.
00:15:28: Und es gibt auch eine andere Art Journalismus zu machen
00:15:31: oder eine ergänzende Art Journalismus zu machen.
00:15:33: Und die verfolgt einen friedensfördernden Ansatz,
00:15:36: der auf Lösungen eingeht oder Dialoge voranstellt.
00:15:40: Können Sie sich mit so einem Ansatz identifizieren?
00:15:43: Ich hab diesen Ansatz, denke ich, immer vorangetrieben.
00:15:47: Ich kann mich sehr damit identifizieren.
00:15:49: Ich finde ihn wahnsinnig wichtig.
00:15:51: Ich glaube, es gibt Situationen, in denen kann man nichts beschönigen.
00:15:57: Aber in den meisten ist es wichtig, nach Geschichten zu suchen,
00:16:01: die eben zeigen, dass auch im Krieg auf der einen Seite
00:16:06: leider oft die schlimmsten Charakterzüge der Menschen herauskommen,
00:16:12: aber oft auch die besten.
00:16:14: Die Geschichten, die hängenbleiben,
00:16:16: sind ja oft auch Geschichten von Menschen,
00:16:19: die sich über diese Grenzen, wo gerade Hass und Tod verlaufen,
00:16:24: hinweg vielleicht lieben oder zueinander finden.
00:16:27: Ich war ja jetzt nicht nur auf dem Balkan lange unterwegs,
00:16:30: ich war ja auch in Israel und in Gasarstreifen.
00:16:33: Ich hab immer wieder versucht, auch davon zu berichten,
00:16:36: dass zum Beispiel eine ultraorthodoxe Jüdin
00:16:38: in Nablus, in Vessionenland,
00:16:41: wo die jüdens eigentlich, die israelischen Juden,
00:16:43: gar keinen Zugang hätten mit einem Palästinenser verheiratet war,
00:16:48: wie die da gelebt haben, wie sie mit ihrer Kindererziehung umgegangen sind.
00:16:53: Das sind oft komplexe Geschichten,
00:16:55: aber das sind die Geschichten, die dann, glaube ich,
00:16:58: bei den Menschen hängenbleiben oder auch in Gasarstreifen,
00:17:02: wenn es dann noch Telefonate gibt von Palästinensern mit Israelis,
00:17:07: die sich früher mal kennen gelernt haben,
00:17:09: die sich schätzen gelernt haben, die in Kontakt miteinander geblieben sind,
00:17:12: die dann aber gleichzeitig auch wiederum Schwierigkeiten haben
00:17:15: bei den eigenen Leuten, weil die vielleicht gar nicht wollen,
00:17:18: dass dieser palästinensische Mann noch Kontakt hat
00:17:21: zu einem jüdischen Freund auf der anderen Seite.
00:17:23: Aber all diese Geschichten find ich mit die aller, aller Wichtigsten.
00:17:29: Wir müssen auch konstruktiv bleiben,
00:17:31: weil ich stelle auch bei mir selber fest,
00:17:33: ich kann es manchmal nicht mehr ertragen,
00:17:36: all die schrecklichen Geschichten und Bilder aus dem Krieg zu hören.
00:17:40: Ich brauche auch manchmal die positiven Geschichten.
00:17:43: Und das geht allen Menschen so.
00:17:45: Und wenn wir das nicht fördern,
00:17:47: dann glaube ich, dass wir auch irgendwann mal,
00:17:50: dass die Menschen dann unsere Beiträge,
00:17:52: die die Kriegsgeschichten erzählen,
00:17:54: möglicherweise gar nicht mehr hören wollen,
00:17:57: jetzt speziell, was die Ukraine betrifft.
00:17:59: Es fehlen Menschen, eine so große Frustration und Selbstschutz nötig,
00:18:05: jetzt, dass wir, glaube ich, genau diese Geschichten suchen müssen,
00:18:10: die sie angesprochen haben, konstruktive.
00:18:12: Ja, diese News Avoidance ist ein großes Thema.
00:18:15: Da gibt es ja auch schon einige Auswertungen zu.
00:18:18: Und da geht man ja auch schon so ein paar Schritte weiter,
00:18:20: dass man sagt, es gibt nicht nur den einen Nachrichtenvermeider
00:18:23: oder die einen Nachrichtenvermeiderin,
00:18:26: sondern das differenziert sich auch noch mal aus
00:18:28: in die Punkte, die Sie genannt haben, z.B. Selbstschutz.
00:18:32: Nachrichten interessieren mich nicht, ist mir zu negativ,
00:18:35: also gibt es die verschiedensten Gründe.
00:18:37: Und da ist es bestimmt auf jeden Fall ein Punkt.
00:18:40: Glauben Sie denn oder haben Sie denn den Eindruck,
00:18:42: heutzutage, man macht es sich zu einfach
00:18:46: mit der Krisen- und Kriegsberichterstattung?
00:18:49: Also sagen wir mal, ich glaube, wir werden immer mehr Mainstream, also dadurch, dass wir die Möglichkeit haben, quasi in Sekunden schnelle zu sehen, was andere berichten,
00:19:03: neigen wir dazu, dass die Berichte sich angleichen, dass die Themen sich angleichen. In einer Situation, in der sie wirklich jetzt alleine losziehen und sehen, welche Geschichten sie bekommen, sind sie deutlich mehr unik und vielleicht dafür deshalb dann auch interessanter für Zuschauerinnen und Zuschauer.
00:19:26: Trotzdem glaube ich nicht, dass es wir uns generell jetzt zu leicht machen. Ich glaube schon, dass es qualitativ hochwertige Geschichten gibt und das betrifft jetzt nicht nur uns als öffentlich-rechtliche Medien,
00:19:39: sondern auch private, machen teilweise extrem gute Geschichten. Aber News avoiding, wenn ich dazu vielleicht noch was aus meiner persönlichen Perspektive sagen darf,
00:19:50: ich habe jahrzehntelang, glaube ich, auch zum Teil sehr, sehr schlimme News, auch wenn ich immer wieder die konstruktiven Geschichten gesucht habe, in die Wohnzimmer gebracht und viele haben mich gefragt, wie hältst du das aus?
00:20:03: Ich habe es deshalb ausgehalten, weil ich vor Ort war und einen Auftrag hatte, als ich dann zurück war und ich war zurück als Redaktionsleiterin als der Ukraine Krieg losging.
00:20:14: Und da sah es sich tatsächlich die ersten Tage mal wie ein Konsument von Fernsehen und von Radio. Da habe ich geweint.
00:20:24: Da hat es mich nochmal ganz anders erwischt, weil ich jetzt keinen Auftrag hatte und nicht diesen Selbstschutz um mich herum nach dem Motto, ich muss jetzt arbeiten,
00:20:33: sondern ich habe es tatsächlich nur einfach mal konsumiert und habe festgestellt, ich muss mich selber auch schützen. Das wird fast zu viel.
00:20:42: Vielen Dank Frau Glast, dass Sie sich Zeit genommen haben hier für diesen Podcast. Sehr gerne.
00:20:48: Also ganz egal wo, das Verifizieren von Informationen ist unumgänglich. Shafi Karimi ist Exilschonalist aus Afghanistan.
00:20:56: Er kämpft ebenfalls damit, korrekte Informationen und Falschmeldungen unterscheiden zu können. Mit der Machtübernahme der Taliban wurde das nochmal richtig schwierig.
00:21:07: Media for Peace. Ganz nah dran.
00:21:10: Hallo Shafi, great to have you on the show. You are part of the Media for Peace Project so far and you are working as a journalist.
00:21:19: You are located in France as far as I know, but maybe you could introduce yourself.
00:21:25: Thank you Sabrina, thank you for giving me this opportunity to talk with you. I'm Shafi and currently I'm based in Paris.
00:21:33: I'm working as a freelance journalist with some agencies in here. I'm writing for the Vice News and also I'm doing multimedia reporting for the Infoimmigrant.
00:21:46: It's a part of France 24. In 6 years I did this job in Afghanistan and working with international televisions and also radio pre-ruh.
00:21:55: But currently I'm doing this job here in France and also I'm a part of Media for Peace Fellowship.
00:22:03: Okay, thanks so much Shafi. I want to talk with you about quality and journalism. What defines quality and journalism for you?
00:22:12: Just one thing. In Afghanistan the most important for the news directors and for the agencies, for mostly the time for the breaking news.
00:22:21: They are just looking to get the news very quickly and publish it to the audience.
00:22:26: Because it's like a challenge between the media channels inside the country.
00:22:30: It means that sometimes we are sending the news for the agency and they are asking us to give us very, very quickly, very quickly.
00:22:41: But sometimes we will miss lots of things.
00:22:44: And sometimes we will send them some news that maybe it was not correct or maybe it will be some changes.
00:22:51: Most of the time it happens when some suicide attacks and suicide bombers will happen in Afghanistan.
00:22:57: It's about the statistics of the injures people or those who are killed in these suicide attacks.
00:23:05: We have to be careful about sending the news, about the quality of the news.
00:23:09: Because it's very important, because the audience is looking for some news, original news and not for fake news.
00:23:17: And when you are sending the news very quickly, it may be missed lots of things.
00:23:21: So that's why I'm always not agree with this kind of things inside the news agencies in Afghanistan.
00:23:28: But for now everything's already changed.
00:23:31: And I'm not talking about the quality for now in Afghanistan.
00:23:34: I'm talking right now about the quality for the media in Afghanistan.
00:23:39: Right now it's totally different between the past two years.
00:23:42: Because right now there's nothing.
00:23:44: Everything is under the control of the Taliban.
00:23:46: And there is no quality for the news and for everything inside the country.
00:23:51: Because everything is under the censorship of the Taliban.
00:23:54: But for now when I'm working in here with France 24 or with the Vice News, sometimes I'm writing for them.
00:24:01: And they check the report like 10 times, 11 times.
00:24:05: And it takes like one week, 10 days after checking everything will be done, they will publish the news.
00:24:12: So if I get this right, there are two points that make a real big difference.
00:24:17: The first thing is the freedom of press.
00:24:20: So in Afghanistan the Taliban are controlling everything.
00:24:24: And in France or in Europe there is a freedom of press.
00:24:28: And the second thing is that the content isn't published really quickly.
00:24:33: So they check in France really, really detailed like 10 or 11 times as you said.
00:24:38: And back in Afghanistan, besides the Taliban situation, there's no double check about sources and stuff.
00:24:47: Yes, that's right, fine.
00:24:49: Because after a few hours, after one, two hours, they are deleted the news from the social media.
00:24:56: That's why, because something is missing on the news.
00:25:00: And it's about the quality of the news.
00:25:02: Because they publish it very quickly and they are missing.
00:25:05: There is no fact checking a lot in Afghanistan media's unfortunately.
00:25:10: As far as I know in the Media for Peace project, you are working with some prototypes.
00:25:15: And one of this prototype is a kind of quote button.
00:25:20: So people can tell their opinions or what they think about stuff.
00:25:25: So you can go into a dialogue.
00:25:27: My question is, if you put some quotes into stories that also has an impact on the quality of journalism.
00:25:36: What do you think about that?
00:25:38: It's very important. People is the big source of journalists.
00:25:43: I'm in here and I'm working on a report from Afghanistan.
00:25:48: And it's very important for me to make a dialogue between myself and the people inside the country.
00:25:54: But when a journalist is working underground on the country, so that will be very perfect for them.
00:26:00: In this platform or this prototype that we are currently working on them, it will be very helpful for the journalists.
00:26:06: So this platform will help the journalists to have a lot of information about the current situation,
00:26:12: about the events that are happening in this country.
00:26:15: Because we are currently focusing on Lebanon and Afghanistan.
00:26:19: So for the foreign journalists, it's very important to have a lot of information about the events and current situation from these two countries.
00:26:25: It will be helpful regarding the fact checking, regarding the writing of news, regarding the finding the sources and everything.
00:26:33: So this prototype is a chance to combine like researching on a topic and getting some quotes for a topic
00:26:41: and put that all together for the journalists underground in that country.
00:26:47: And maybe they can deliver it to other ex-Achserialists like you are.
00:26:53: Yes, it means that when a director or when a news agency asks for the journalists, like a foreign journalist,
00:27:02: go and work on the Afghanistan situation, any topics about Lebanon and some other countries.
00:27:08: So this platform will help these journalists before he or she goes to this country
00:27:14: and wants to make a report or package about the country or something.
00:27:18: So it has a platform that has lots of information about the country.
00:27:23: There is lots of information about the events. There is lots of sources and everything.
00:27:27: So yeah, you are right. It can be helpful for the journalists a lot.
00:27:33: Also an opportunity to use a dialogue format is social media.
00:27:38: So maybe with less control by journalists, but it's also a way to talk to the people.
00:27:45: Maybe first, what's your favorite social media platform as a journalist living in Paris?
00:27:52: For publishing the news, mostly I'm using Twitter.
00:27:57: But currently, I don't like it, that's why because lots of platforms are using this platform.
00:28:05: And I don't know, they have lots of followers and people are following them.
00:28:09: So yeah, the spokesman of the Taliban has near one million followers in Twitter.
00:28:14: I don't like it because I don't know why they have lots of followers.
00:28:19: Mostly international people, they are following them.
00:28:22: So it's okay because he is a spokesman for the Taliban.
00:28:25: But for now, the Taliban are very, very active in social media, mostly in Twitter.
00:28:31: So before it was not like this, before there are lots of time using Clubhouse for the dialogue.
00:28:37: And also the Facebook for the dialogue, Facebook Lives.
00:28:40: But for now, they are always using this Twitter because Twitter have an option by the name of Space.
00:28:47: In this platform, everyone can come talk about the specific subject.
00:28:53: And that's why lots of Taliban like to make a dialogue between themselves
00:28:59: and challenge the other people outside the country.
00:29:03: That sounds to me like Afghanistan people are really into talking about social media via audio
00:29:12: or like Clubhouse or you said spaces right now.
00:29:16: So they're not much into writing down stuff.
00:29:19: Yes, yes, because currently, as you know, so there is for the Afghanistan,
00:29:25: actually, there is no independence media right now in all the media's under the control of the Taliban.
00:29:30: That's why Afghan people mostly they are using the social media,
00:29:33: mostly in the province of Afghanistan,
00:29:35: because a lot of people don't know how to use the Twitter.
00:29:38: They are using the Facebook because it is very, actually, it's normal for them and they can use it.
00:29:43: So a lot of people in Afghanistan right now, they are using these platforms.
00:29:47: So what would you say?
00:29:49: What does social media influence public opinions in these countries for you as an Afghanistan context,
00:29:57: but also in Lebanon?
00:29:59: If I talk about Afghanistan, so the problem is that a lot of people inside the country,
00:30:04: they are trying to publish the news, but in this kind of the news,
00:30:08: a lot of them is propaganda because, you know, for now, it's very difficult actually for me as well
00:30:14: to find that which news is not fake and which one is fake,
00:30:19: because a lot of people are publishing the news from every side of the country.
00:30:24: In this case, we are receiving a lot of news, but a lot of time, there are lots of news propaganda.
00:30:29: For example, a few months ago, there was a clash between the Taliban and the NRF in Panshir province.
00:30:36: I received a picture from the residents of Panshir and they told me that this is a new picture
00:30:40: from this clash or this war between the Taliban and the NRF.
00:30:45: When I posted this picture in my Twitter account,
00:30:48: a journalist from, I think it was from, he was from the Wallastage Journal,
00:30:54: he sent me a message and he told me that this picture is not belong to today.
00:31:00: It's belong to three months ago and it's not right now in this fake picture.
00:31:05: So it means that it's fine that the people are using this kind of platform for publishing the news
00:31:10: for sending the pictures and making the connection between the journalists and between themselves.
00:31:15: But the problem is about publishing the fake news, sending the propaganda.
00:31:20: Also, it's a big opportunity for the Taliban inside the country
00:31:24: because they are always publishing the positive face of Afghanistan.
00:31:28: So when a person who doesn't know a lot about Afghanistan, when he is following the Taliban
00:31:35: or the other people that they are posting the positive face of Afghanistan
00:31:38: and everything is positive for them, so it means that they will change the mind of this person.
00:31:43: It means that there is nothing in Afghanistan and the social media is directly effect on the mind of people.
00:31:50: It's maybe sometimes negative effect or sometimes positive effect.
00:31:54: So it was a picture in a different context and they said it's from that clash in Afghanistan.
00:32:00: Yes, it was not a different country. It was from the clash but not from this date.
00:32:05: It was before, like three months or four months before.
00:32:08: Okay, but it was a real picture. It wasn't made by artificial intelligence or something.
00:32:14: Yes, it was a real picture but the problem was about the date of the picture.
00:32:20: When did you left Afghanistan?
00:32:22: I left Afghanistan on January 2021.
00:32:25: 2021, you are like two years now in Paris.
00:32:29: Yes, before the fall of Afghanistan to the end of the Taliban.
00:32:32: Is it very difficult for you with two years absent from Afghanistan
00:32:38: to dig the real news, to get the real news or is it still the same like you have been in Afghanistan before?
00:32:44: No, actually it's totally different and it's very difficult for me
00:32:48: because when I was in Afghanistan at that time it was very easy for me
00:32:52: because at that time the Taliban was not the governor of Afghanistan
00:32:57: and everything was very good.
00:32:59: When I need for something, for some information, it was very easy for me
00:33:03: to contact with the spokesman of the government and to get information and everything
00:33:07: so everything was clear for me.
00:33:09: But right now it's very difficult because when I want to work on a subject
00:33:12: Taliban doesn't give me a response even I wait for them for one week or eight days
00:33:18: so after that they will send me a response and it will be not, it was not helpful for me
00:33:23: when I receive this response from them
00:33:25: and actually for checking the news, for checking the facts
00:33:30: also for checking the resources inside the country
00:33:33: these are all the difficulties for me because I am working from here
00:33:38: and sometimes when the agencies told me to work on this report
00:33:42: I can't do it because of the lack of the sources, because of the lack of information
00:33:47: and that's all the big challenge for the exact journalists.
00:33:50: You're working on a project that's peace-supporting.
00:33:53: How can social media work in a peace-supporting context?
00:33:58: If, like if the people of Afghanistan right now
00:34:01: they are always publishing the news regarding the dis-clash and dis-war
00:34:05: between the NRF, Taliban and Daesh, there is nothing about the peace.
00:34:10: So if these people are just publishing the some news or contact about some positive news
00:34:17: is it okay that we can post a lot of time the positive news
00:34:21: because there is not a lot of positive news inside the country.
00:34:24: So we need to share some news about the clashes and about the war and everything
00:34:30: but when the people inside the country, when the journalists,
00:34:33: when everyone, when they are posting something about the positive phase
00:34:38: about the peace, about everything in Afghanistan
00:34:41: it will automatically change the mind of the people inside the country
00:34:44: and it will have a positive effect on the mind of the people.
00:34:48: Just to get this clear, is the peace-supporting context always positive news?
00:34:54: Not always, no, not always.
00:34:56: Sometimes we need to publish the negative news.
00:34:59: So it doesn't mean that all the time when you are talking about the peace
00:35:03: we have to publish everything positive.
00:35:05: So it depends on the time, it depends on the situation
00:35:08: and it depends on what you are publishing and what people need to publish for them.
00:35:12: So it doesn't mean that always we are going to publish the positive news.
00:35:16: So or as you said before, because you are working on a dialogue platform
00:35:22: in the media for peace project, so peace-supporting could also mean building a dialogue?
00:35:27: Yes, building a dialogue. In my view actually, it's a part of this, not all of them,
00:35:32: it's a part of them that come with a platform to make a dialogue between the people
00:35:37: and make a dialogue that will find a lot of solutions for the problems.
00:35:41: So it's a part of it.
00:35:43: We just rushed through, but thank you very much to be on the show
00:35:47: and if people want to know more about you or about the project
00:35:51: they can check on the media for peace website, it's on the media lab website.
00:35:55: I will also edit the show notes. Thank you so much so far.
00:35:59: Thank you so much again for giving me this opportunity to talk with you regarding this subject.
00:36:04: Schaffi hat die Gefahr von Social Media und den Umgang mit Social Media bereits angeschnitten
00:36:09: und genau damit machen wir in der nächsten Folge weiter.
00:36:12: Prof. Dr. Anika Sehl war Teil eines Wissenschaftsteams,
00:36:16: das Tweets während Krisensituationen ausgewertet hat.
00:36:19: Zum Beispiel während der großen Explosion im Libanon, das war 2020.
00:36:24: Sie ist in der nächsten Folge bei mir zu Gast. Es bleibt also spannend, versprochen.
00:36:28: Und ich hab's nicht vergessen, warum hab ich euch mit Bon Truono begrüßt?
00:36:33: Weil die Media for Peace Fellows genau in diesem Moment auf dem Weg nach Italien sind.
00:36:39: Beim International Journalism Festival in Perucia gibt es morgen, also am 20. April,
00:36:45: ein Media for Peace-Seitevent. Da könnt ihr vorbeigehen.
00:36:49: Ich packe euch den Link in die Show Notes, da könnt ihr die Fellows treffen,
00:36:53: da werden die Prototypen vorgestellt.
00:36:55: Und ihr könnt euch einfach mit ganz vielen Leuten austauschen,
00:36:58: die sich ebenfalls für friedensfördernden Journalismus interessieren.
00:37:01: Falls ihr dort seid, ich wünsche euch ganz viel Spaß und ganz viel tolle Ideen.
00:37:05: Und wir hören uns wieder an gleicher Stelle in zwei Wochen.
00:37:08: Bis dahin, ciao mi amor, arrivideci.
00:37:12: Media for Peace, der Podcast für friedensorientierten Journalismus.
00:37:18: Eine Produktion des Media Lab Bayern.
00:37:21: Media for Peace ist eine Kooperation mit dem DTEC BW,
00:37:24: Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr
00:37:28: und der Universität der Bundeswehr München.
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00:37:33: [Musik]
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00:37:37: * Musik *
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